Die Carson Flight Group der Firma Dickie-Tamiya hat bereits einschlägige Erfahrung, was das Thema Koaxialhubschrauber und deren Angebotspalette betrifft. Zahlreiche Modelle in den unterschiedlichsten Ausführungen stehen zur Auswahl und erfreuen nach wie vor eine große Fan-Gemeinde. Neben den bekannten Exemplaren in typischer Koax-Standardgröße mit 340 Millimeter (mm) Rotordurchmesser wurde bereits im Jahre 2009 mit der EC 135 XL erstmals ein Big-Koax mit 620 mm Rumpflänge (Rotordurchmesser 563 mm) angeboten, der aufgrund seiner Abmessungen und seinem detailgetreuen Erscheinungsbild schnell viele Freunde gefunden hatte (ausführlicher Testbericht in RC-Heli-Action 5/2009).
Zwischenzeitlich hat man bei Carson nachgelegt – sowohl in puncto Scale-Nachbau als auch bei den Abmessungen. Die neue Eurocopter SA315B Lama glänzt mit einer Rumpflänge von 860 mm und einem schicken roten Air-Zermatt-Outfit, das bei genauerem Hinsehen sehr viel Detailliebe zum Vorschein bringt. Die große Glaskanzel inklusive Cockpit, Bestuhlung und Pilot, der nachgebildete Gitterrohr-Heckausleger mit Starrwellen- und Heckrotor-Attrappe, das verstrebte Kufengestell, die Turbinen-Nachbildung und die funktionierenden Positions- und Anti-Kollisionsleuchten lassen uns nicht schlecht staunen, wie hervorragend das Modell seinem bemannten Vorbild nachempfunden wurde. Einzig die beiden, für eine Lama so völlig untypischen, übereinanderliegenden und viel zu klein proportionierten Rotoren trüben den Scale-Faktor. Doch um es vorweg zu nehmen: Dafür ist dieses Rotorprinzip aber garant dafür, dass sich die Lama auch von einem Einsteiger leicht beherrschen und sich gutmütig fliegen lässt.
Gegenläufer
Die wichtigsten Fakten: Die Lama ist ein Koaxialheli mit dem bekannten Rotor-Steuerprinzip, das wir von den üblichen, kleineren Typen her kennen. Alleine nur der untere Rotor wird mit Roll und Nick angesteuert, der obere (gegenläufige) Rotor verfügt über keine RC-Verstellung. Dafür gibt es eine kardanisch aufgehängte Stabilisierungsstange mit Gewichten an ihren Enden, die über ein Gestänge mit dem oberen Rotor gekoppelt ist und für die Flugruhe des Systems verantwortlich zeichnet. Hochachsen- sowie Heben-Senken-Funktion erfolgen durch bewährte Drehzahländerungen der beiden unabhängig voneinander arbeitenden Antriebsmotoren. Die zyklische Steuerung, also die Funktionen Nick und Roll, werden ausschließlich über den unteren Rotor umgesetzt. Dementsprechend träge reagiert die Steuerung, weil der obere Rotor stets versucht, den Heli wieder in seine horizontale Position zu bringen.
Differenzen
Apropos Rotoren: Der Durchmesser der beiden Rotoren beträgt übrigens nicht wie auf dem Karton und in der Anleitung angegeben 750 mm – hier flutschte ein Zahlendreher durch, zumindest beim unteren Hauptrotor. Dieser scheint mit seinen 570 mm Durchmesser der Chef zu sein, denn sein gegenläufiger Genosse in der oberen Ebene hat nur einen Rotorkreis mit 510 mm Durchmesser. Ein Koax mit unterschiedlichen Rotorduchmessern ist sehr ungewöhnlich, ergab sich aber gemäß Carson bei der Entwicklung zugunsten homogenerem Flugverhaltens ohne Nachteile beim Steuerverhalten. Der Drehomentausgleich zum Schweben der Lama erfolgt hier also ausschließlich über entsprechende Drehzahlbeaufschlagung der beiden Rotoren, wobei das in der Bordelektronik verbaute Gyro-System unterstützend unter die Arme greift.
Wie bereits erwähnt – der Rumpf der Lama ist Programm. Die Zelle aus robustem Kunststoff ist fix und fertig lackiert und mit Dekor versehen. Stabil wird das Ganze durch die vielen Verstrebungen, wie wir sie auch beim bemannten Vorbild finden. Ein integriertes Cockpit inklusive Pilotensitze ist auch vorhanden. Ohne Akku bringt das Modell inklusive der robusten Einbaumechanik 880 Gramm auf die Waage – nicht gerade wenig, aber Größe und Schönheit haben schon immer ihren Tribut gefordert.
Einsatzbefehl
Beim Fliegen merkt man das Mehrgewicht deutlich – eben Big-Koax. Die Lama hängt satt unter den Rotoren, und die profilierten Kunststoffblätter biegen sich durch wie beim bemannten Vorbild – das gefällt uns gut. Bei Steuer-Inputs merkt man deutlich, dass der Heli von seiner oberen Rotor-Mimik zur Flugruhe gezwungen wird. Schnelle Marschflüge oder Alarmstarts lassen sich deswegen nicht machen, obwohl die beiden kräftigen 400er-Bürstenmotoren leistungsmäßig keinen Grund zum Meckern geben. Bei Indoor-Einsatz empfehlen wir entsprechend große Räume. Hier nicht etwa wegen eventuell fehlender Steuerpräzision, die zu wünschen übrig ließe, sondern wegen möglicher Luftverwirbelungen, die Unruhe ins System bringen könnten. Eine Halle ist da schon geeigneter.
Im Outdoor-Einsatz ist die Lama nur bei Windstille fliegerisch beherrschbar, denn das obere Rotorsystem fordert hier konstruktiv seinen Tribut, was jedoch dem Einsteiger in Form von Flugruhe zugute kommt. Mit dem zum Set gehörenden 3s-LiPo-Akku mit einer Kapazität von 2.200 Milliamperestunden sind bei uns im Durchschnitt etwa sieben Minuten Flugzeit drin, danach sollte man ihm eine kleine Pause zum Abkühlen gönnen, bevor man ihn wieder auflädt.
Spiel mit
Wer vorbildgetreue Helis liebt und eine einfach zu handhabende, einsteigerfreundliche Fertiglösung sucht, bekommt mit der Eurocopter SA315B Lama Größe im wahrsten Sinne des Wortes geboten. Groß in Scale, groß in Sachen Flugstabilität und Ausstattung. Der Lieferumfang ist komplett – und auch das Preis-Leistungs-Verhältnis kann sich mehr als sehen lassen.
