Der Sikorsky S-51 in 450er Größe

Yellow Rexcue

Erstellt am: 13. Februar, 2012

Kategorie: Aktuell, Modelle

Text
Olaf Lange

Internet
»www.darthdrk.4t.com

Preis: 49,99 US-Dollar

Magazin:  Ausgabe

Ausgabe: Ausgabe 03/2012

Erschienen im: Februar 2012

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Ausgabe 03/2012
Der Sikorsky S-51 in 450er Größe

Sicherlich kann man sich über Geschmack streiten: Was dem einen gefällt, mag ein anderer überhaupt nicht leiden und ein dritter findet es sogar hässlich. Eines ist aber in diesem Fall unumstritten: Der Sikorsky S-51 ist wohl einer der ersten Hubschrauber, der in Serie für die verschiedensten Zwecke produziert und genutzt wurde. Sei es die erste kommerzielle Luftfahrtlinie zwischen Liverpool und Cardiff 1950 oder für diverse militärische oder humanitäre Zwecke. Als Modellhubschrauber findet man den S-51 überraschend häufig als Plastik-Modellbausatz in den verschiedensten Maßstäben, aber als RC-Modell findet man so gut wie nichts. Olaf Lange hat sich dieser Sache angenommen und berichtet über die Entstehung seines außergewöhnlichen Modells, das mit einer T-Rex-450-Mechanik ausgerüstet ist.

Nach dem Bau der CH-53 (ausführlicher Bericht siehe RC-Heli-Action 4/2011) hat es mich gereizt, noch einen weiteren Heli mit Polystyrol-(PS)Rumpf zu bauen. Da mir die Qualität der PS-Rümpfe von darthdrk aus den USA gefallen hat, orderte ich einen S-51-Rumpfbausatz.

Polystyrol
Auch in diesem Fall kommt ein Paket mit vielen weißen PS-Teilen und einer klaren Cockpit-Verglasung an. Durch Zusammenpuzzeln der Einzelteile und sichern mit Tesafilm wird die Passgenauigkeit überprüft und der erste optische Eindruck vom neuen Modell entsteht. Was sofort auffällt, ist die Größe des Rumpfs. Es ist offensichtlich, dass hier für den Einbau der Mechanik nicht sehr viel Platz vorhanden ist.

Die Bearbeitung von Polystyrolteilen ist mit einem scharfen Bastelmesser oder Skalpell, einer Feile und etwas Schmirgelpapier kein Problem, sollte aber dennoch mit genügend Vorsicht geschehen, da man zu viel weggeschnittenes Material schlecht wieder hinzufügen kann. Das Zusammenkleben der Einzelteile mit normalem Sekundenkleber stellt kein Problem dar und ist schnell erledigt. Etwas mehr Zeit nimmt dagegen die Bearbeitung der Fensterausschnitte in Anspruch. Vorsichtiges Arbeiten mit dem Cuttermesser ist hier zwingend notwendig. Durch Nacharbeiten mit einer kleinen Feile und
etwas Schmirgelpapier entsteht ein schönes Cockpit mit viel Fensterfläche.

Einbau-Logistik
Wie bei jedem Rumpfmodell ist auch hier die Frage: Wie bekommt man die Mechanik eingebaut und wie kann man später den Akku einfach wechseln? Schaut man sich bei den fertigen Rümpfen verschiedener Hersteller um, findet man normalerweise eine gute Standardlösung, nämlich Rumpfhinterteil mit Unterteil inklusive Landegestell oder Fahrwerk, wo die Mechanik problemlos eingebaut werden kann. Für den Akkuwechsel kann hier nun das aufgesetzte Cockpit abgenommen werden. Diese Teilung ist auch für den S-51 sinnvoll, bedeutet aber, dass ein weiterer Schnitt im Rumpf erforderlich wird. Dieser Schnitt hat zur Folge, dass das abnehmbare Cockpitteil sehr instabil ist und mit einem Hilfsrahmen und Spant ausgerüstet werden muss.

Die Teilung der Rumpfhälften an den vorgegebenen PS-Teilen ist natürlich auch möglich und erspart die Mehrarbeit, die zur Erstellung eines abnehmbaren Cockpits nötig ist. Bei den gegebenen Einzelteilen ergeben sich nur Rumpfvorder- und Rumpfhinterteil, wobei die Trennung vor dem Hauptfahrwerk auf Höhe der Hauptrotorwelle liegt. Das Problem liegt nun darin, die Mechanik, die normalerweise im mittleren bis vorderen Teil des Modells befestigt wird, mit dem Heckteil zu verbinden und das Vorderteil mit Bugrad abnehmbar zu gestalten.

Verstärkung
Eine recht gute Lösung ist die Verwendung von zwei Holzbrettchen mit einer Magnetverbindung und zwei Spanten für die Rumpfhälften. Ein Holz-brettchen wird mit der hinteren Rumpfhälfte verbunden und vorne wird ein Magnet in das Holz eingearbeitet. Das zweite Holzbrettchen wird in das Rumpfvorderteil geklebt, wobei auch hier ein Magnet im vorderen Bereich eingearbeitet ist. Die beiden Rumpfspanten werden eingeklebt und auch jeweils mit zwei Magneten und vier Führungsstiften versehen. Jetzt kann man die beiden Rumpfhälften einfach auseinanderziehen und wieder zusammenstecken. Die drei Magnetenpaare halten sehr gut, aber nicht zu kräftig.

Hierbei fiel auf, dass man beim Auseinanderziehen der Rumpfhälften vorne, im Bereich der Cockpitfenster, anfasst und dieser Bereich durch die vielen Scheiben sehr instabil ist. Abhilfe schafft hier ein dünner Spant aus Polystyrol, der im Bereich der Cockpitverglasung mit eingeklebt wird.

Räderwerk
Der nächste Schritt ist der Bau eines brauchbaren Fahrwerks. In der doch spärlichen Bauanleitung ist ein Fahrwerk aus gebogenem Draht beschrieben, was aber schon auf dem Papier so aussieht, als ob es bei der ersten Landung seine Form zum Negativen verändert. Um hier ein schöneres Exemplar anfertigen zu können gilt es, sich die verfügbaren Bilder im Internet mal genauer anzuschauen. Aus einfachem Alu-Flachprofil vom örtlichen Baumarkt entsteht recht schnell mit ein wenig Sägen und Feilen ein schönes und auch stabiles Fahrwerk. Ein erster Versuch, das Bugfahrwerk mit Federung herzustellen, war zwar gelungen, aber im ausgefedertem Zustand hing das Rad zu tief. Stand das Modell auf dem Boden, federt es ganz ein. Ein neues, starres Fahrwerk verrichtet jetzt an dieser Stelle sehr zufriedenstellend seinen Dienst. Die Räder bestehen aus Alufelgen mit Gummibereifung und sind eigentlich für Flächenmodelle als Spornrad gedacht.

Recycling
Als optisches Merkmal bei der U.S. Coast Guard-Version fällt die Rettungs-Seilwinde auf der linken Seite auf. Dieses Detail darf natürlich auch bei einem Semi-Scale-Modell nicht fehlen. Um die Winde nachzubauen, wird mal wieder die modellbautypische Restekiste nach brauchbarem Material durchsucht. So wird aus einer alten Paddelstange, einem Stellring und ein wenig dünnem Draht eine Winde zusammengelötet. Auf eine funktionstüchtige Ausführung wird an dieser Stelle aufgrund der Größe verzichtet.

Weitere Details wie Antennen, Trittbügel und diverse Kleinteile wurden mit Absicht nicht hinzugefügt, da diese dann doch sehr kleinen Teile schnell abbrechen. Nur die Öffnung für die Abgasanlage mit dazugehörigem Auspuffrohr auf der linken Rumpfseite ist mit einem Stückchen ovalgedrücktem Heckrohr und einem Stück Messingrohr stabil nachgebildet.

Um eine ausreichende Be- und Entlüftung zu gewährleisten, sind die beiden oberen Fensterscheiben nicht eingebaut. Hier wird nun der Rotorabwind in den Rumpf zur Kühlung geblasen und die warme Luft kann durch das offene Heckrohr nach hinten entweichen. Die Kühlung der elektronischen Teile funktioniert trotz des engen Rumpfs hervorragend und man kann einen Akku nach dem anderen leerfliegen, ohne eine Zwangskühlpause einzulegen.

Postgruß
Zur Farbgebung stehen mehrere Möglichkeiten zur Auswahl. Die Hubschrauber der Navy in einem Dunkelblau, die der U.S. Coast Guard und auch der Niederländischen Luftwaffe in Gelb, auch Silber und diverse private Lackiervarianten findet man im Internet. Im Hinblick auf eine gute Erkennbarkeit des kleinen Rumpfs fällt die Entscheidung für die gelbe Variante der U.S.Coast Guard-Version. Für eine gute Verbindung zwischen dem Polystyrol und der Deckfarbe wird der ganze Rumpf zunächst mit feinem Schmirgelpapier angeraut und dann mit Haftvermittler lackiert, um anschließend eine gelbe Lackierung aus Zweikomponenten-Autolack zu bekommen. Die Innenseite des Rumpfs wird, wie auf vielen Bildern des Originals zu sehen, in einem hellen Grauton gestrichen. Ein weiterer Scale-Innenausbau mit Instrumenten-Konsole und Sitzen ist nicht geplant, da der zur Verfügung stehende Platz lieber für den Einbau der RC-Komponenten genutzt wird.

Technik inside
Das Innenleben besteht aus einer Standard-T-Rex 450-Mechanik, die mit einem Dreiblatt-Hauptrotorkopf ausgerüstet wird. Da doch gerade bei einem Mehrblattkopf die Optik nicht zu kurz kommen sollte, ist bei der Suche nach passenden Rotorblättern klar, dass die breiten Originalblätter nicht infrage kommen. Dünne, weiche Kunststoffblätter sind hier die richtige Wahl, da sie gut aussehen und die fehlende Rotorkopf-Dämpfung wenigstens teilweise ausgleichen.

An dieser Stelle sei gesagt, dass erste Flugversuche mit dieser Kombination von Rotorkopf mit Kunststoffblättern nur mit sehr viel Expo-Anteil auf Roll und Nick und vorsichtiger Flugweise bei annähernd Windstille möglich sind. Aus diesem Grund wird der S-51 mit einem microbeast Flybarless-System ausgerüstet, was die Flugeigenschaften wieder auf ein für einen Normalflieger erträgliches Maß bringt.

Den Antrieb übernimmt ein Brushlessmotor mit 3.550 Umdrehungen pro Minute pro Volt, der besonders für den Einsatz in 450er-Rumpfmodellen geeignet ist, da er ein wirkungsvolles Lüfterrad besitzt. Die Antriebsregelung übernimmt ein robbe-Controller Roxxy 940-6, der garantiert 3 Ampere BEC-Stromversorgung für die vier Corona DS-919MG-Digitalservos und das microbeast-Flybarless-System liefert.

Integration
Der Einbau der Mechanik in den Rumpf ist in diesem Fall recht einfach, da hier kein hochgelegter Heckrotor vorhanden ist und die T-Rex 450-Mechanik mit geradem Heckrohr ins Rumpfheckteil eingeschoben wird. Die hinteren Befestigungspunkte, an denen normalerweise das Landegestell angeschraubt ist, befinden sich leider im Rumpfheckteil, sodass die Befestigung nur von unten erfolgen kann. Schraubenköpfe an der Rumpfunterseite sehen aber nicht schön aus – und so muss eine andere Lösung gefunden werden, um die Mechanik im hinteren Bereich befestigen zu können.

Hier half Kommissar Zufall. Mein Sohn kam mit seiner RC-Sattelzugmaschine vorbeigefahren und beim Anblick der Sattelkupplung war klar, dass dies eine gute Möglichkeit sein könnte, um die Mechanik einfach im Rumpf zu befestigen. In die Bodenplatte der Mechanik wird hinten ein Langloch gefeilt und im Rumpf ein Bolzen aus einer Schraube und einem Blech eingebaut, was die Funktion eines Zugsattelzapfens übernimmt. Jetzt wird die Mechanik einfach auf den Bolzen geschoben und vorne wird alles mit zwei kleinen Schrauben, die durch das Holzbrett gehen, verschraubt. Die Platzverhältnisse bei diesem Projekt sind recht knapp und so müssen die beiden Hauptspanten doch mehrmals nachgearbeitet werden bis die beiden Rumpfhälften inklusive Mechanik zueinander finden.

Um aus dem noch nackten gelben Hubschrauber einen Sikorsky S-51 der U.S. Coast Guard zu machen, fehlt jetzt noch eine passende Beschriftung inklusive Abzeichen. Diese werden vom Fachmann, für Beschriftungen, aus dünner bedruckter Folie hergestellt und anschließend an den passenden Stellen angebracht.

Eindrucksvoll
Nachdem der Heli jetzt komplett zusammengebaut ist, steht dem Jungfernflug nichts mehr im Wege. Das Wetter ist gut – also auf zum Modellflugplatz. Den Rumpf trennen, den 3s-LiPo-Akku mit einer Kapazität von 2.200 Milliamperestunden anschließen und die Initialisierung des Flybarless-Systems abwarten. Nachdem der Hubschrauber jetzt startklar auf dem Platz steht, heißt es vorsichtig starten und landen, da es für den Heckrotor keinen Schutz gibt. Jeder Bodenkontakt wird direkt mit einem unschönen Geräusch quittiert. Das Flugverhalten ist, typisch für einen kleinen Heli, etwas kippelig, wird aber ansonsten durch ein schönes Flugbild entschädigt. Besonders langsame Vorbeiflüge in geringer Höhe sind sehr eindrucksvoll, da hier das Fahrwerk und die vielen Fenster gut zu erkennen sind.

Gelungen
Der Bau und das Fliegen mit so einem durch seine Form doch ungewöhnlichem Heli macht sehr viel Spaß und die Farbwahl bestätigt sich beim Fliegen vor einem dunklen Hintergrund. Das kleine Hubschraubermodell ist dank seiner gelben Farbe auch auf die Entfernung hin gut sichtbar. Wenn man eine 450er-Mechanik in den S-51-Rumpfbausatz einbaut, erhält man sehr kostengünstig einen schönen und seltenen Semi-Scale-Hubschrauber, der sich auf keinem Modellflugplatz verstecken muss.

RC-Flight-Control
Elektroflug-Magazin