Am LM180D01 fällt sofort die feine mattgrüne Lack-ierung in militärischer Tarnfarbe auf. Verglichen mit der knallroten Farbe der kameralosen Version schon fast ein nobler Anblick, Befürchtungen bezüglich einer schlechteren Lageerkennung im Flug haben sich später nicht wirklich bewahrheitet. Eine weitere Änderung betrifft die modifizierte Flybarless-Elek-tronik mit der Bezeichnung RX2626V-D. Der im Set enthaltene Sender DEVO 7 wird weiter unten noch genauer beschrieben.
Kamera inside
Bei genauerem Hinsehen findet man das Kameraobjektiv unten an der Haube und seitlich eine Öffnung für den Schalter zum Umstellen von Foto auf Video. Gestartet wird eine Aufnahme am Sender durch Schalten des Gear-Schalters auf Position 1 und nach einer Sekunde zurück auf Position 0. Im Video-Modus wird die Videoaufnahme ebenso wieder angehalten. Bei laufender Aufnahme blinkt die blaue Diode unten am Heli. Zum Einlegen und Entnehmen der Speicherkarte ist eine Pinzette nützlich. Die inklusive USB-Adapter mitgelieferte 1-Gigabyte Karte (maximal 16GB) reicht für 20 Minuten Video. Die mit einer 1.024 x 768 aufgezeichneten Fotos sollte man auf das Kameraformat 640 x 480 reduzieren – sie sind sonst unscharf. Die Videofunktion liefert auch bei hellem Licht keine kinoreifen Ergebnisse, macht aber fürs Erste Spaß,und weckt den Appetit auf Mehr.
Preflight
Auch bei einem RFT-(ready to fly-)Heli ist eine sehr sorgfältige Kontrolle vor dem ersten Flug zwingend erforderlich. So prüft man unter anderem, ob die Rotorblätter korrekt montiert sind und sich sehr leicht, aber auch ohne Spiel, in den Blattgriffen bewegen lassen. Alle Kugelpfannen an den Gestängen sollten unverdreht auf den Kugeln sitzen. Die Motorritzel müssen ohne zu Klemmen mit geringem Spiel in die Hauptzahnräder eingreifen. Die Schrauben in dem kleinen Plastikring auf der Rotorwelle bei der Kontrolle nicht fest anziehen – sie greifen in ein Loch in der Welle und sichern so auch ohne festen Sitz den Ring gegen Verschieben. Auch die sehr kurze, zentrale Schraube im Rotorkopf sollte nicht zu fest angezogen werden. Die kleinen Höhenleitwerke für den Heckausleger anfangs nicht montieren, sie brechen beim Crash leicht ab.
Nach erfolgter visueller Prüfung schaltet man den Sender bei voll gesenktem Gasknüppel ein, wartet das Tonsignal ab und steckt kurz danach den geladenen Akku am Heli an. Man wartet einige Sekunden, bis der Heli gebunden ist. Blinkt die rote Diode am Empfänger nicht mehr, kann man den Vorgang auch durch Bewegen des rechten Knüppels abkürzen. Nach dem Binden sollte die Taumelscheibe bei neutraler Trimmung relativ genau horizontal stehen, auch die Hebel der Servos sollten grob horizontal liegen. Bewegt man nun den rechten Knüppel vom Körper weg, muss die Taumelscheibe (TS) vorne rechts nach unten kippen. Bewegt man den Knüppel nach links, so sollte die TS vorne links nach unten kippen.
Man hält nun den Heli an den Landekufen sicher über den Kopf und gibt langsam Gas. Bei mittlerer Drehzahl bewegt man den linken Knüppel nach links, der Heli sollte dann die Tendenz haben, mit der Nase nach links zu drehen. Bei Mittelstellung des Gasknüppels sollte der Heli gefühlsmäßig sein Gewicht tragen. Stärkere Vibrationen darf man dabei nicht spüren. Sehr vorsichtige Piloten machen diesen Test auf einem glatten Boden und nicht in der Hand. Stimmen die Steuerrichtungen nicht, so müssen entsprechende Korrekturen im REVSW-Menü des Senders vorgenommen werden. Die erforderlichen Daten für die DEVO 7 waren bei uns auf einem extra beigelegten Blatt aufgeführt, die angegebenen Einstellungen für „fixed ID“ sollte man zumindest Anfangs nicht machen, die Einstellungen für „Gear“ betreffen nur die Kamera und sind nicht sicherheitsrelevant.
Koax-untypisch
Vor dem Start vergewissert man sich, dass alle Schalter am Sender von Körper weg stehen. Steigert man die Drehzahl, steigt der Heli bei korrekter Einstellung und neutraler Trimmung von Nick, Roll und Gier ohne Probleme nahezu senkrecht nach oben. Tut er das nicht, ist eine Justage des Flybarless-Systems erforderlich, damit die TS nach dem Binden horizontal steht. Auch die zweite Version des LM180D01 zeigt das bereits in Ausgabe 9/2011 beschriebene, völlig koax-untypische Flugverhalten, wobei der Heli noch stabiler und einfacher zu Fliegen ist als die erste Version. Kein anderer uns bekannter Heli ist momentan, gemessen an seinen guten Flugeigenschaften, so einfach zu fliegen und gleichzeitig auch für fortgeschrittene Piloten ein Genuss.
Vorsicht ist lediglich beim senkrechten Absenken des Helis mit wenig Gas geboten, wobei der Heli eindeutig in ein Wirbelring-Stadium (schnelles senkrechtes Absinken) geraten kann, aus dem man ihn auch mit Vollgas nur mühsam retten kann. Bei leichtem Gegenwind wird dieser Effekt zusätzlich verstärkt. Ungeübte Piloten sollten also schon bei leichter Luftbewegung nicht zu schnell und nicht zu hoch fliegen. Der Heli fliegt zwar noch bei Luftbewegungen, wo normale Trainer schon absolut chancenlos sind, er ist aber dennoch kein Gerät für stärkeren Wind.
Gas weg
Beschädigungen sollte man vermeiden, eine Reparatur ist nicht immer ganz einfach und auch nicht immer preiswert. Ungeübte Piloten sollten den Heli mit einem geeigneten Trainingsgestell fliegen, siehe Bericht in Heft 9/2011. Bahnt sich ein Crash an, so ist unbedingt sofort das Gas voll auf Null zu setzen, sonst gefährdet man die Elektronik. Dem Heli sollte man speziell im Sommer nach acht Minuten Flugzeit eine längere Abkühlpause gönnen. Gegen Ende der Flugzeit, und auch beim Schweben in größerer Höhe (Kameraflüge), sollte man unbedingt ein Vortex (siehe Infos in Extrakasten Know-how) vermeiden.
Adjust
Man muss zu Beginn keine Einstellungen am Empfänger vornehmen, wenn der Heli einwandfrei fliegt. Den Regler ELEV/AILE EXT kann man als geübter Pilot von der Mittellage etwas weiter nach rechts drehen, die Ruderausschläge werden dadurch größer und der Heli reagiert kräftiger auf Nick und Roll. Die Regler AILE G, ELEV G und RUDD bestimmen jeweils die Empfindlichkeit der Stabilisierung der Achsen Roll, Nick und Gier. Dreht man diese Regler nach rechts/links, wird der Heli stabiler/beweglicher. Zu weit nach rechts bewirkt Schwingungen des Flybarless-Systems. Die bei unserem Exemplar sinnvollen Einstellungen zeigt die Abbildung des Empfängers.
Der Sender DEVO 7 wird beim LM180D01 in einem einfachen Modus ohne besondere Features betrieben. Lediglich der Schalter „Gear“ schaltet die Kamera. Der Anfänger muss sich um keine Einstellungen kümmern, sollte aber, wie weiter unten beschrieben, unbedingt die eingestellte Sendeleistung kontrollieren oder ersatzweise einen Reichweitentest am Boden durchführen.
Vergleich
Bei Windstille sind beide LM180D01-Versionen wun-derschön zu fliegen. Kommt Luftbewegung oder gar Turbulenz auf, steigen die Anforderungen speziell beim Schnellflug erheblich. Beide Versionen zeigen krass bessere Flugeigenschaften als alle uns bekannten herkömmlichen Einsteiger-Helis. Normalen Trainern sind sie deutlich überlegen. Einem etwas geübten Piloten gelingen dabei spielerisch einfach alle normalen Rundflug-Manöver ohne Stress und ohne Gefährdung des Helis, wie es noch mit keinem von uns zuvor geflogenen Heli möglich war. Trotz dieser guten Flugeigenschaften sind beide Versionen für talentierte Anfänger geeignet, ein Spagat, den bisher kaum ein Heli so bravourös gemeistert hat. Dabei tendiert die zweite Version etwas mehr in Richtung Stabilität, die erste Version etwas mehr in Richtung Agilität. Piloten, die den Heli sehr oft crashen wollen, sollten jedoch besser zu einer Anfänger-Stubenfliege greifen, die man ohne Schaden an die Wand knallen kann.
DEVO 7
Der vollwertige DEVO 7-Sender mit 15 Speicherplätzen für komplexere Helis und Flächenflieger ist mit dem LM180D01 gnadenlos unterfordert. Die Möglichkeiten sind so umfangreich, dass sie nur ansatzweise aufgezeigt werden können. Dem Anfänger sei zur Beruhigung gesagt, dass er sich um die Einstellungen nicht kümmern muss, um den LM180 zu fliegen. Er darf allerdings beim „Spielen“ mit dem Gerät nicht versehentlich Einstellungen verändern, und sollte daher einige Spielregeln kennen.
Die linken Tasten und die ENT-Taste rechts sind un-gefährlich, aber nur, solange man die rechte Taste R/L nicht betätigt. ENT öffnet ein Menü oder Untermenü, UP/DN scrollt durch das geöffnete Menü, EXT schließt das geöffnete Menü. Durch (mehrfaches) Drücken von EXT kommt man immer in das normale Flugdisplay zurück. Die in der Anzeige blinkende Position ist die aktuell gewählte, die man dann durch Drücken von R/L verändern kann.
Die rechte Taste R/L verändert den jeweils blinkenden Wert, und diese Änderungen werden beim Verlassen des Menüs mit EXT automatisch gespeichert. Auf diese Weise können ungeübte Anwender die Einstellungen des Senders ungewollt verändern. Sie sollen sich also den jeweils blinkenden Wert merken und notfalls mit R/L wieder einstellen, bevor sie das Menü verlassen. Wer aus Versehen in ein unbekanntes Menü Gerät, sollte es sofort, und ohne Betätigung von R/L, wieder mit EXT verlassen. In ganz wenigen Fällen erfolgt die Speicherung eines Werts erst durch Drücken von ENT. Wo das erforderlich ist, findet man schnell heraus, Drücken von ENT liefert in diesen Fällen einen Signalton. Ein Beispiel hierfür ist die Einstellung der Sendeleistung.
Die Abbildung zeigt das Flugdisplay mit Modellname und Timer, eines der drei oben im Bild aufgeführten Menüs erreicht man durch Drücken von ENT, Auswahl mit UP/DN und erneut ENT. Es stehen dann folgende Untermenüs oder Einstelloptionen (Namen im Menü etwas abgekürzt) zur Verfügung:
• System: Display, Buzzer, Stickmode, Calibrate, About.
• Model: Select, Name, Copy, Transmit, Receive, Reset, Type, Step, Input, Output, Swash, Amplifier, Fixed ID.
• Function: Reverse, Traveladjust, Subtrimm, DR/Expo, ThrottleHold, Throttlecurve, MixTH, (Gyro), (Governor), (Swashmix), Pitchcurve, ProgMIX, Monitor, Save, Training, Timer.
Je nach Einstellung bei Output im Model-Menü können zusätzliche Positionen im Function-Menü auftauchen, zum Beispiel zur Einstellung eines im Empfänger intern verbauten Gyros oder Governors sowie Swashmix bei Wahl einer 120-Grad-Taumelscheibe. Wie funktioniert das nun in der Praxis? Hier einige einfache Einstellungen für den Anfang. Wer nicht sicher ist, ob er das richtig macht, sollte notfalls mit EXT zum Ausgang zurückkehren, und keinesfalls die Taste R/L verwenden.
Examples
Sendeleistung einstellen: ENT, mit UP/DN Menü „Model“ wählen, ENT. Mit UP/DN bis AMPLI durchtasten, ENT. Nun sollte „+10“ blinken. Stimmt das nicht, mit R/L auf +10 setzen und mit ENT speichern. Dreimal EXT führt zum Startdisplay zurück. Die Leistung wird übrigens für jeden Modellspeicher getrennt gespeichert, Anzeige erfolgt in dBm, und nicht in mW.
Funktion umkehren: ENT, mit UP/DN Menü „Function“ wählen, ENT. Falls nicht schon sichtbar, mit UP/DN bis REVSW durchtasten, ENT. Mit UP/DN alle Funktionen durchtasten, überall sollte NORM blinken, nur bei AILE blinkt REV. Ist das nicht der Fall, die falschen Anzeigen mit R/L korrekt ändern. Vorsicht: Eine Bestätigung mit ENT ist nicht (!) vorgesehen, die Einstellungen bleiben beim Verlassen des Untermenüs mit EXT in der blinkenden Form bestehen. Zurück zum Startbildschirm mit dreimal EXT.
Kontrollmonitor: ENT, mit UP/DN Menü „Function“ wählen, ENT. Mit UP/DN bis MONIT durchtasten, ENT. Mit UP/DN können nun alle Ruderknüppel und Schalter auf die momentan eingestellte Funktion überprüft werden. Bei GEAR kann man zum Beispiel den Schalter links oben am Sender betätigen, und seine Funktion zum Einschalten der Kamera überprüfen. Zurück zum Startbildschirm mit dreimal EXT.
Pitch-/Gaskurven: Hier keine genaue Beschreibung, nur ein Tipp: Kurven kann das Display nicht darstellen, es sind bis zu 7 Punkte möglich (L 1 2 M 3 4 H). Die Punkte 1 2 M 3 4 können auch deaktiviert werden, oft reichen die Punkte L M H voll aus. Wählt man zusätzlich die Option EXP ON, wird automatisch eine glatte Kurve durch die aktivierten drei Punkte gelegt. Beim Einstieg in die Kurvenprogrammierung sollte bei SRVHD YES gewählt werden, die Servos eines eventuell eingeschalteten Helis werden dann vorübergehend blockiert, damit beim Einstellen kein Unglück geschieht.
Untermenüs
Viele der oben aufgeführten Menüpunkte führen nach ENT in weitere Untermenüs, die wir hier unmöglich alle aufführen können. Hilfreich ist dabei die englische Anleitung auf der beigefügten CD, die alle Menüs weitgehend, aber nicht ganz fehlerfrei (der Gyro wird nicht bei SWHMX eingestellt, sondern bei GYRO) und eindeutig (so dürfen die Knüppel bei CALIB erst bewegt werden, wenn im Display STOP erscheint) beschreibt. Es gibt kaum Hinweise dazu, was die Einstellungen am Heli bewirken. Das ist für einen Profi kein Problem; er wird sich über die, auch ohne hoch auflösendes Riesendisplay, gelungene Menüstruktur der DEVO 7 freuen. Der Anfänger muss sich jedoch zunächst sehr viel Wissen aneignen, das er aber zum Fliegen komplexerer Helis ohnehin früher oder später benötigt. Zum Spielen mit dem Sender legt man sich im Modellspeicher ein Modell TEST+ an, mit dem man dann unbeschwert experimentieren und den Erfolg mit der Monitor-Funktion kontrollieren kann.
Reversiert
Die Anlage lässt sich einfach durch Vertauschen zweier Steckerpins auf „Pitchknüppel ziehen“ umbauen, anschließend sollte man die Funktion CALIB anwenden. Das letzte Segment der Batterieanzeige erlischt bei 9 Volt, bei 7,5 Volt schaltet sich der Sender ab. Bei Verwendung eines LiPos sollte man bei zwei verbleibenden Segmenten in der Anzeige (10,7 Volt) unbedingt Schluss machen. Der Stromverbrauch beträgt bei zulässigen 10dBm (10 mW) Leistung 140/120 mA mit/ohne Hintergrundbeleuchtung. Die Bodenreichweite beträgt dann mit dem nicht im Lieferumfang enthaltenen, universell nutzbaren RX 701-Empfänger 450 Meter. Statt der bei 20 dBm zu erwartenden 1.400 wurden 800 Meter erreicht. In Kombination mit dem RX 701 oder dem kleinen Flybarless-System des 3D-Helis V200D03 könnte die Kombination beim Fliegen im Nahbereich mit kleinen Helis für nur 160 Euro ein unschlagbar preiswertes, qualitativ hochwertiges System für universellen Einsatz sein.
