Handsender XG7 von JR Propo

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Erstellt am: 13. Oktober, 2011

Kategorie: Aktuell, Technik

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Fred Annecke

Magazin:  Ausgabe

Ausgabe: Ausgabe 11/2011

Erschienen im: Oktober 2011

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Ausgabe 11/2011
Handsender XG7 von JR Propo

Die Firma JR Propo gilt als einer der renommiertesten Fernsteuerhersteller auf dem Markt und lieferte in der Vergangenheit praktisch sämtliche RC-Anlagen für die Firma Graupner. So war es schon eine kleine Sensation, als während der Spielwarenmesse im Februar bekannt gegeben wurde, dass nun die Firma AKmod den Vertrieb der JR-Fernsteuerungen samt komplettem Zubehör für Deutschland, Österreich und die Schweiz übernommen hat. AKmod war und ist seit vielen Jahren bei uns für die Hubschrauber von JR Heli-Division verantwortlich und entwickelt von der Schweiz aus in enger Partnerschaft schwerpunktmäßig deren elektrisch angetriebene Modelle.

Zeitgleich mit dem Wechsel im Vertrieb stellte JR eine neue Familie von Fernsteuerungen vor, die auf der selbst entwickelten 2, 4 Gigahertz (2G4) DMSS-Technik basiert und nicht mehr zu dem früher verwendeten DSM2-Protokoll von Spektrum kompatibel ist. Die hier zu besprechende Siebenkanal JR XG7 ist die kleinste aktuelle Anlage und soll zeigen, welche Features darin realisiert wurden und welchen Weg JR Propo für die Zukunft einschlagen wird.

Es hat relativ lange gedauert, bis JR Propo sein eigenes 2G4-Übertragungssystem, genannt DMSS, auf den Markt gebracht hat. Durch die frühere enge Partnerschaft mit Spektrum, deren Fernsteuerungen man lange Zeit im Auftrag gebaut hat, bot es sich zunächst an, deren bewährtes Übertragungsprotokoll zu nutzen. Für den japanischen Markt mit seinen besonderen Zulassungskriterien im 2G4 IMS-Band wurde eine spezielle Variante, das DSM-J Protokoll abgeleitet.

Weltweit
Um aber den globalen Markt beliefern zu können und unabhängig von Lizenzvereinbarungen zu sein, war ein eigenes Übertragungssystem notwendig. DMSS ist die Abkürzung für Dual Modulation Spectrum System, die konsequente Kombination aus DSSS (direct sequence spread spectrum) und FHSS (frequency hopping spread spectrum). Es spreizt das Nutzsignal zunächst sehr stark auf, das damit im Hintergrundrauschen verschwindet und als solches nicht mehr erkennbar wird (Störschutz Nr. 1). Zusätzlich springt das so bereits codierte Signal in einer für jedes Gerät einmaligen Folge unterschiedliche Frequenzen an, ist also frequenzagil (Störschutz
Nr. 2) und darf somit die maximal zulässige Sendeleistung voll ausnutzen. Durch die Kombination dieser beiden Schutzmechanismen wird eine sehr hohe Sicherheit gegen Beeinflussung von außen bei gleichzeitig vorzüglicher Reichweite erreicht. DMSS ist natürlich bidirektional und kann somit Daten im Downlink aus dem Modell auf das Senderdisplay schicken. Diese Telemetriefunktion bietet auch die preiswerte XG7, womit wir schon mitten in der Produktvorstellung wären.

Content
AKmod liefert die XG7 als komplettes Fernsteuerset über den Fachhandel, das neben dem voll ausgebauten Siebenkanal-Sender mit Akku einen Achtkanal-Empfänger samt Satellit und Bind-Stecker, ein Schalterkabel, den Empfängerakku, ein Netzladegerät und die Bedienungsanleitung enthält. Beim Betrachten des Senders fällt dem interessierten Beobachter auf, dass das Gehäuse der XG7 nicht neu ist. Wir kennen es von der Spektrum DX-7, Graupner mx-16 und den früheren JR 35er-Anlagen. Die Ergonomie dieses Senders darf als eine der besten auf dem Markt bezeichnet werden und beim in die Hand nehmen stellt sich sofort ein Gefühl von Wertigkeit ein.

Die gleitgelagerten Steuerknüppel sind spielfrei und arbeiten präzise. Geliefert werden ausschließlich Sender in Stick-Mode 2 (Pitch links), wobei die Umrüstung auf Mode 1 (Pitch rechts) nach Öffnen der Sendergehäuse-Rückwand sehr leicht selbst zu bewerkstelligen ist. Diese beiden Modi werden auch von der Sendersoftware unterstützt und können per Knopfdruck umgeschaltet werden. Die eher exotischen Knüppelbelegungen 3 und 4, womöglich noch mit Maximal-Pitch gezogen nach hinten, müssen beim Service in der Schweiz umgebaut werden, da ein Neuabgleich der Potis notwendig wird.

Innereien
Das Innenleben des Senders präsentiert sich von einer makellos verarbeiteten Seite und unterstreicht einmal mehr den hohen Qualitätsanspruch von JR. Auffallend sind zum Beispiel Kleinigkeiten wie eine zusätzliche Sicherung des Koaxial-Steckverbinders der Antenne gegen unbeabsichtigtes Lösen von der UHF-Endstufe oder untergeschraubte Kabelführungen an den Steuer­aggregaten. Im Vergleich zu anderen Helisendern aus gleichem Haus wird bei der XG7 der mechanische Weg des Pitchknüppels nicht verkürzt, sodass wir die Sticks auf Nick und Pitch jeweils gleich weit in die Endlagen bewegen können. Der eingebaute NiMH Akku mit 9,6 Volt und 1.500 Milliamperestunden (mAh) Kapazität liegt, durch ein Moosgummiformstück gegen Verrutschen gesichert, klapperfrei in seinem rückwärtigen Fach. Schade, dass er keine optimale Schwerpunktlage in Zusammenspiel mit der Aufhängeöse und einem Nackenriemen zulässt.

Ab Werk kommt der XG7-Sender vollständig ausgebaut mit sämtlichen Schaltern und Gebern. Die dreistufige Flugphasenumschaltung liegt immer stirnseitig rechts, der Autorotationsschalter stirnseitig links. Die restlichen Schaltgeber inklusive Schwebeflug-Pitch- und Schwebeflug-Gas-Trimm sind vorne auf der Oberseite. Klasse, dass JR der XG7 seinen so wunderbar intuitiv zu bedienenden Walzenencoder spendiert hat und nicht ausschließlich auf Tastatureingaben setzt. Durch Drehen und Drücken lassen sich so mit einem Finger in Sekundenschnelle die Menüpunkte anfahren, öffnen, verstellen und wieder schließen. Das geht geradezu spielerisch von der Hand. Ebenso einfach und logisch ist die Struktur der gesamten Software aufgebaut, deren Kommunikation über ein kontraststarkes, aber nicht hintergrundbeleuchtetes LC-Display erfolgt.

Menü-Angebot
In der XG7-Software gibt es zwei Menü-Ebenen, das System-Menü und das Funktions-Menü. Hält man während des Einschaltens die Enter-Taste gedrückt, gelangt man in das System-Menü, in dem alle Modellspeicher übergreifenden Einstellungen vorgenommen werden. Neben der Modellauswahl und dem Modelltyp (Fläche oder Heli) wird hier der Stick-Mode samt Schalterbelegung vorgenommen sowie der gewünschte Taumelscheibentyp gewählt und die Lehrer-Schüler-Funktion aktiviert. Beim Taumelscheibentyp stehen zur Wahl: mechanisch gemischt, elektronisch gemischt – hier entweder 2 Servo 180, 3 Servo 120 und 3 Servo 90 Grad. Im Punkt Bind erfolgt das Binden an den jeweiligen Empfänger und die Länderwahl (General/Frankreich).

Das Funktions-Menü ist die eigentliche Arbeitsoberfläche der XG7 und verwaltet die modellspezifischen Einstellungen der insgesamt 18 Modellspeicher. Es ähnelt vom Aufbau, genau wie das System-Menü, einem Buch, das Seite für Seite durchgeblättert wird. Auf jeder Seite befindet sich ein fertig vorkonfigurierter Menüpunkt, der bei Bedarf aktiviert und dessen vordefinierte Werte dann verändert werden können. Das ist super easy zu bedienen und vor allem innerhalb kürzester Zeit ganz ohne Handbuch zu überblicken.

Neben den üblichen Punkten wie Dual Rate, Expo, Servolaufrichtung, Mitte und Weg, finden wir drei flugphasenabhängig schaltbare Gas- und vier Pitchkurven (inklusive Autorotations-Pitchkurve). Mit jeweils fünf Punkten haben wir einen sehr guten Kompromiss aus leichter, schneller Einstellung und Auflösung. Bei Bedarf können nicht benötigte Zwischenpunkte aus der Kurve herausgenommen werden. Eine zuschaltbare Rundungsfunktion glättet eckige Kurvenverläufe und lässt das Gas- beziehungsweise Pitchservo seinen Weg weich abfahren.

Der statische Drehmomentausgleich ist genauso wie das Gyromenü flugphasenabhängig und liefert zur jeweiligen Schalterstellung einen der beiden voreingestellten Werte. Drei frei programmierbare Mischer erlauben die Realisierung von Sonderfunktionen. Mit diesem Funktionsumfang kann die XG7 selbst große, anspruchsvolle Helis einwandfrei bedienen, ohne dabei überladen zu sein. Natürlich sind auch sämtliche Trimmgeber flugphasenabhängig und rufen die jeweils erflogenen Positionen passend dazu ab. Eine Besonderheit für die Fraktion der Verbrennerpiloten bietet die Trimmfunktion auf dem Pitch/Gaskanal. Mit ihr kann der Motor beim Zurückziehen des Trimmgebers ohne Zwischenstopp abgestellt werden. Das Gasservo springt dann aber beim erneuten, kurzen Antippen nach vorne wieder auf die ursprüngliche Standgasstellung zurück. Das funktioniert perfekt!

Genauso perfekt funktioniert der Taumelscheibenmischer für elektronisch gemischte Rotorköpfe. Hier bietet JR auf Knopfdruck eine Wegkorrektur, die die unvermeidliche Hebelarmverkürzung bei Drehservos kompensiert und so eine linearisierte Verstellung der Taumelscheibe ermöglicht.

Telemetrisch
Unter dem Menüpunkt Telemetry verbergen sich die Downlink-Optionen der XG7, wobei die Spannung des Empfängerakkus ohne Zutun des Piloten immer automatisch im Startbildschirm auf dem Senderdisplay erscheint. Die Alarmschwelle ist zwischen 3,1 und 9 Volt einstellbar. Zusätzlich können wir eine Temperaturanzeige (60 bis 160 Grad Celisus) und einen Drehzahlsensor aktivieren. Das Besondere an der XG7-Drehzahlmessung ist die Berücksichtigung der verwendeten Getriebeuntersetzung im Antriebsstrang. So ist es möglich, zum Beispiel bei Messung der Drehzahl direkt am Motor trotzdem die tatsächliche Hauptrotordrehzahl im Display angezeigt zu bekommen.

Der Empfänger RG831B ist für die Ausgabe von acht Kanälen ausgelegt und baut durch seine stirnseitigen Servoanschlüsse sehr kompakt. Das Binden des Empfängers wird durch Stecken eines bind-plug eingeleitet und über die Sendersoftware gestartet. Zwei Koaxialkabel verlassen die Gehäuserückseite, die jeweils ein eigenes, komplettes Empfangsmodul im Gehäuse versorgen. Ihre abisolierten Enden bilden den als Antenne aktiven Bereich, der nicht geknickt werden darf und im Modell idealerweise im 90-Grad-Winkel zueinander steht.

Etwas exotisch wirkt der ebenfalls hinten eingesteckte Zusatzempfänger (Satellit) RA01T. Er besitzt keine sichtbare Außenantenne, sondern arbeitet mit einer direkt auf der Platine befindlichen, flachen Patchantenne. Das macht die Montage im Modell natürlich sehr einfach. Von ihm werden zwei Aufgaben erledigt: Im Uplink arbeitet er als zusätzliche Empfangsstation, also wie eine dritte Antenne, im Downlink ist er für das Rücksenden der Telemetriedaten zuständig. Prinzipiell könnte die XG7 auch ohne diesen Satelliten arbeiten, aber dann eben ohne Telemetriefunktion und etwas schlechterem Empfang im Grenzbereich.

Ein direkter Anschluss des Zusatzempfängers, zum Beispiel an ein Flybarless-System, ist nicht vorgesehen. Der Betrieb von modernen HV-Servos am RG831B ist problemlos machbar. Sein Arbeitsbereich deckt von vier Zellen NiXX bis hoch zu direktem 2s LiPo-Betrieb alles ab. Da wir gerade bei der Stromversorgung sind: Der mitgelieferte NiMH-Empfängerakku (4,8 Volt, 1.500 mAh) besitzt neben seinem normalen dreipoligen Anschlusskabel noch eine zusätzliche weiße Buchse. Hier wird beim Laden mit dem mitgelieferten Netzgerät ein im Pack integrierter, temperaturabhängiger Widerstand abgefragt, der ein schädliches Überladen (Temperaturerhöhung) detektiert und rechtzeitig abschaltet.

In Flight
Wir haben die JR XG7 zur praktischen Erprobung zunächst in einen Henseleit Three Dee MP-E und dann in einen Raptor 90 3D verbaut. Bei beiden Modellen konnte die Senderprogrammierung ungewöhnlich schnell erledigt und dann geflogen werden. Hier muss man sich nicht mit unnötigem Software Ballast herumquälen, sondern kommt sehr zügig ans Ziel. Die versehentliche Anwahl eines falschen Modellspeichers ist auch nicht möglich, denn die XG7 geht nur in Betrieb, wenn der zum jeweiligen Modellspeicher passende Empfänger eingeschaltet wird. Plötzlich anlaufende Motoren, falsche Servodrehrichtungen oder verbogene Gestänge sind somit ausgeschlossen.

Der obligatorische Reichweitentest mit reduzierter Sendeleistung wurde bei 100 Meter Distanz ohne Verbindungsausfall abgebrochen. Während der ganzen Erprobung, selbst bei mehreren gleichzeitig eingeschalteten 2G4-Anlagen unterschiedlicher Hersteller und Entfernungen der Modelle bis an die Sichtgrenze, konnte mit der XG7 DMSS kein einziges Mal eine verzögerte Übertragung oder gar Failsafe festgestellt werden.

Intuitiv
JR Propo kann mit der neuen XG7 und seinem eigenen 2G4 DMSS-System ein gelungenes Debüt attestiert werden. Alle Komponenten hinterlassen den seit Jahren gewohnten, hohen qualitativen Eindruck. Besonders die intuitiv zu bedienende, übersichtliche Software ist ein großer Pluspunkt. Dass die eingebaute Telemetrie nur die wichtigsten Grundfunktionen abdeckt, ist bei dieser günstigen Anlage verzeihbar. Aber gerade deshalb dürfen wir auf die demnächst erhält­liche, größere JR XG8 gespannt sein.

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