Interview mit Marc Trautmann

Chef bei SpinBlades

Erstellt am: 12. Mai, 2011

Kategorie: Aktuell, Szene

Text
Raimund Zimmermann

Magazin:  Ausgabe

Ausgabe: Ausgabe 06/2011

Erschienen im: Mai 2011

»Inhaltsverzeichnis

»Abo-Angebote

»Jetzt Bestellen!

Ausgabe 06/2011
Interview mit Marc Trautmann

Anfang April berichteten wir aktuell auf unserer RC-Heli-Action-Facebook-Seite über das Erscheinen eines neuen Rotorblatts von Spinblades, das in erster Linie für den Three Dee Rigid von Henseleit Helicopters konstruiert wurde. Es ist nicht nur schwarz und matt, sondern auch die Flugenschaften sollen etwas ganz Besonderes sein. Das machte uns neugierig, weswegen wir uns mit Spinblades-Firmenchef Marc Trautmann ein wenig unterhalten haben, um mehr über die Hintergründe zu erfahren.

RC-HELI-ACTION:
Viele werden sich fragen: Warum bringt Spinblades ein Spezialblatt für den Three Dee Rigid (TDR) auf den Markt? Es gibt doch schließlich genügend andere Exemplare, die hervorragend mit dem paddellosen E-Heli-System harmonieren?

MARC TRAUTMANN:
(lacht) Als erstes sollte man erwähnen, dass es nicht rein für den TDR entwickelt, aber zu großen Teilen darauf getestet wurde. Das stimmt, aber das Blatt ist ein 700er und es geht fantastisch auf jedem Heli. Das konnten auch unsere anderen Teampiloten bestätigen.

RC-HELI-ACTION:
Was waren die Beweggründe zur Entwicklung?

MARC TRAUTMANN:
Wir haben schon seit langer Zeit sehr engen Kontakt mit Matt Finke. Damals, als er für sein EFP-Projekt (Anm. d. Red.: Efficient Flying Project, siehe Berichterstattung in RC-Heli-Action 4, 5 und 6/2011) das richtige Blatt suchte, waren wir uns einig, dass das EFP toll und interessant, allerdings für Piloten wie Timo Wendtland und Stefan Segerer nicht das richtige ist. Somit war die Idee geboren, ein optimales 3D-Blatt genau für diese Ansprüche zu kreieren. Es sollte von Anfang an von den Piloten entwickelt werden und genau auf deren Bedürfnisse abgestimmt sein. Auch von der Optik her sollte es sich von unseren bisherigen Blättern unterscheiden. Kurzum: Ich wollte ein hammergeiles 3D-Blatt und Matt wollte ein Lebensgefühl als Flügel …

RC-HELI-ACTION:
Was sind die besonderen Features des neuen matt-black und wie machen sich diese fliegerisch bemerkbar?

MARC TRAUTMANN:
Das Profil ist sehr dünn, wodurch es auch bei hoher Drehzahl wenig Widerstand hat. Dadurch kann man auch bei hoher Drehzahl noch große Pitchwege fahren, ohne dass die Mechanik oder der Motor zu stark beansprucht werden. Für optimalen Geradeauslauf haben wir den Blattschwerpunkt optimiert und den Vorlauf angepasst.

RC-HELI-ACTION:
Über das Fluggeräusch sagt ihr aus, dass das Blatt sehr leise sein soll.

MARC TRAUTMANN:
Ja, es hört sich komplett anders an, wie man es bisher gewohnt ist. Und das war mit der Grund für die lange Entwicklungsphase und die über 40 gebauten Prototypen.

RC-HELI-ACTION:
Gibt es auch besondere konstruktive Merkmale, die das Blatt auszeichnen, sei es durch Materialwahl, Form, Gewicht, Profil und Massenschwerpunkt?

MARC TRAUTMANN:
Ja. Auch bei dem matt-black verwenden wir – wie übrigens bei all unseren Blättern – ausschließlich luftfahrtzugelassene Rohstoffe. Allerdings sind wir bei diesem Blatt noch einen Schritt weitergegangen und verwenden auch noch eine andere Kohlefaser, die aus einem anderen
Faden besteht und … naja, leider darf ich mehr nicht verraten (lacht).

RC-HELI-ACTION:
Warum habt Ihr gerade die Farbe Schwarz gewählt? War Euch etwa weißer Deckschichtlack zu teuer?

MARC TRAUTMANN:
Nein, bei matt-black haben wir nicht auf Wirtschaftlichkeit Wert gelegt. Wir wollten etwas Besonderes machen. Und wenn das Ergebnis zum Schluss halt einen exklusiveren Preis hat, dann ist es eben so. Davon abgesehen ist Schwarz viel anspruchsvoller als Weiß. Man sieht jede Kleinigkeit in der Form, Weiß verzeiht da einfach mehr. Zum Farbthema meinte übrigens seinerzeit Matt: „… Ich denke, wir kommen auf einen Nenner – und der ist Schwarz. Soweit so gut, aber was ist die Steigerung von Schwarz? Ich denke, ihr habt es. Richtig finstere, krass heftige Dinger sind matt-schwarz.

RC-HELI-ACTION:
Hinter der Entwicklung des Blattes soll ein starkes Pilotenteam stecken. Wer gehört dazu?

MARC TRAUTMANN:
Thomas Böseler hält als Teammanger nicht nur die Jungs Simon vom Baur, Jo Kaulbach, Alex Bauch, Daniel Jetschin und Steffen Richter zusammen, sondern fragt auch deren Erfahrungen nach den Tests ab und sammelt sie. Dann gibt es noch Matt Finke, der anfangs die Schnittstelle zwischen dem Team Henseleit Helicopters und uns darstellt und so etwas wie der wahnsinnige Creative-Director ist. Durch die intensive Zusammenarbeit hat sich nicht nur ein außergewöhnliches Produkt ergeben, sondern auch Zuwachs im Team. Wir freuen uns über die neuen Teampiloten Stefan Segerer, Matt Finke und Timo Wendtland.

RC-HELI-ACTION:
Und wie kann man sich so eine Produktentwicklung vorstellen? Probiert jeder einzelne Pilot für sich alleine die jeweiligen Blatt-Prototypen aus oder gibt es ein gemeinsames Testfliegen?

MARC TRAUTMANN:
Sowohl als auch. Die Jungs bekommen Prototypen. Bei uns im Headquarter wird alles genau dokumentiert, zum Beispiel wer welches Blatt bekommen und welche Erkenntnisse daraus gezogen hat. Dann wird alles gesammelt und gemeinsam beschlossen, was als nächstes geändert wird. Anschließend geht das gleiche Spiel von vorne los. Nach einer gewissen Zeit ist das Blatt fast fertig und dann wird zum Abschluss gemeinsam geflogen und auch gefilmt.

RC-HELI-ACTION:
Ja aber kein Pilot fliegt wie der andere, jeder hat doch seinen eigenen Flugstil und seine Vorlieben, demnach seine eigenen Vorstellungen, welche Eigenschaften ein Rotorblatt haben soll. Ich stelle mir da die Bestimmung eines gemeinsamen Schnittpunkts vieler Meinungen äußerst schwierig vor.

MARC TRAUTMANN:
Das stimmt. Auch hier mussten wir alle lernen. Ich war nach dem 20. oder 30. Prototypen leicht genervt, weil es dem einen oder andern Piloten immer noch nicht passte – und auch der Pilot war genervt, weil er immer noch was zu meckern hatte, während ein Teil des Teams schon happy war. Und Matt hatte vor Augen, dass das Blatt nicht nur gut fliegen sollte, sondern auch noch klingt wie F1-Harley und aussieht wie Stealth-Porsche. Aber auch das haben wir während der Entwicklung gelernt: Jeder hat seine Aufgabe. Und nur wenn jeder seine Aufgabe, Vorstellungen und Ziele kompromisslos durchzieht und nicht um des lieben Friedens willen sich mit fast perfekt zufrieden gibt, bekommen wir so außergewöhnliche Produkte wie das matt-black.

RC-HELI-ACTION:
Kurz noch zu Eurer Firma: Spinblades ist ein relativ junges Unternehmen, das schnell sehr erfolgreich auf dem Rotorblattmarkt Fuß gefasst hat, was ja aufgrund der vielen günstigen Mitbewerberprodukte, zum großen Teil aus Asien, nicht ganz so einfach ist. Wie würdest Du Eure Firmenphilosophie beschreiben?

MARC TRAUTMANN:
Leidenschaft, Produkte mit hoher Qualität und ein super Team!

RC-HELI-ACTION:
Marc, vielen Dank für dieses interessante Gespräch. Ich bin mir sicher, dass wir Euer Team bestimmt noch in diesem Jahr bei dem einen oder anderen Meeting in Aktion sehen werden. Weiterhin viel Erfolg!

RC-Flight-Control
Elektroflug-Magazin