Micro-Liner

Drehzahlgesteuerter Flybarless-Blade

Erstellt am: 17. Februar, 2012

Kategorie: Aktuell, Modelle

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Magazin:  Ausgabe

Ausgabe: Ausgabe 03/2012

Erschienen im: Februar 2012

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Ausgabe 03/2012
Micro-Liner

E-Flite gelang das Kunststück, gleich drei Microhelis mit unterschiedlichem fliegerischen Anforderungs-Niveau auf den Markt zu bringen, von denen jeder in seinem Bereich durchaus als geniale Konstruktion bezeichnet werden darf. Für Einsteiger ist das der fast von selbst fliegende Koax mCX2, für fortgeschrittene Anfänger der Intermediate mSR und für geübte Piloten der kunstflugtaugliche Flybarless mCP X. Nun soll der bewährte mSR durch den Flybarless-Nachfolger mSR X ersetzt werden, den wir uns in diesem Bericht genauer ansehen.

Für talentierte Einsteiger und wenig geübte Piloten war der enorm crashfeste mSR das entscheidende Modell zum unkomplizierten und preiswerten Training bei ruhiger Luft im Freien und bei jedem Wetter im Zimmer. Lediglich durch die bei einer 45-Grad-Paddelstange systembedingte Trägheit beim Beschleunigen, die dadurch verstärkte Windempfindlichkeit und die ausgeprägte Unsymmetrie beim Kurvenfliegen wurde das Vergnügen etwas getrübt.

Neuling
Als die Nachricht vom Flybarless-Nachfolger mSR X kam stellt sich sofort die Frage, ob diese Einschränkungen bei ähnlich zahmen Flugeigenschaften entfallen würden. Entsprechend groß war dann auch die Spannung, als die Schachtel mit dem kleinen Neuling endlich vor uns lag.

Einige Eindrücke: Die BNF-Version des mSR X wird sicher verpackt ausgeliefert. Akku und Ladegerät sucht man vergebens, beigefügt sind aber Heckrotor, Haubengummis und die zwei Gestänge, die sich gerne mal bei einem Crash verabschieden. Wer emsig mit dem Heli trainieren will, kommt angesichts der relativ kurzen Flugdauer nicht umhin, mehrere der kleinen LiPo-Akkus und am besten das Vierfach-Ladegerät des mSR zu erwerben – ein nicht unerheblicher Kostenfaktor. Erwerber der RTF-Version bekommen neben dem Sender auch Akku und Ladegerät, aber nur in der einfachen Ausführung. Die deutsche Anleitung beschreibt das Notwendigste, eine beigefügte DVD enthält sehr gute Videos mit Erläuterungen zur Reparatur des Helis, die auch von Nutzen sind, wenn man kein Englisch spricht.

Auffallend ist, wie schon beim mSR, das im Vergleich zur Größe extrem geringe Gewicht des mSR X von nur 31 Gramm inklusive LiPo. Damit das möglich ist, muss auf leichten und dünnen Kunststoff zurückgegriffen werden. Diskrete elektronische Komponenten sind nicht mehr sinnvoll und werden zu einer einzigen 4-in-1-Baugruppe komprimiert. Die verwendeten LiPos mit einer Kapazität von 150 Milliamperestunden sind sehr klein und leicht. Dieses Konzept führt zu einem Aufbau, an den man sich erst gewöhnen muss, wenn man gekapselte Servos und Alu-Teile gewohnt ist. Dabei ist aber immer im Auge zu behalten, dass diese leichte Konstruktion eine enorme Crash-Festigkeit ermöglicht. Mit seiner eleganten halbdurchlässigen, silbernen Kabinen-haube, den fehlenden Paddeln und den gegenüber dem Vorgänger schlankeren Rotorblättern macht der mSR X keine schlechte Figur.

Crash-Resistent
Der Aufbau ist extrem einfach. Es gibt kaum Schrauben, einige Teile sind einfach nur gesteckt, wie zum Beispiel das komplette Heckteil, das Hauptzahnrad, das Landegestell und der Hauptmotor. Sehr lobenswert ist, dass ein komplettes Heckteil sehr einfach und schnell ersetzt werden kann. Von den nicht sehr gut gekapselten Linearservos sollte man Schmutz tunlichst fernhalten. Der nahezu spielfreie Rotorkopf hat sich durch die fehlende Ebene der Paddelstange stark vereinfacht. Die Platine für die umfangreiche Elektronik mit dem AS3X-Flybarless-System liegt in Längsrichtung im Bereich der Rotorwelle, für korrekten Schwerpunkt sorgt der weit vorne liegende Akku.

Maßgeblich für die Crash-Resistenz des mSR X ist das Verhältnis von Masse zu Größe und die in diesem Punkt gut durchdachte Konstruktion. Dazu trägt auch bei, dass Coreless-Motoren kein Eisen im rotierenden Anker haben und daher bei Stromlosigkeit kein Magnetfeld ein Rastmoment beim Drehen des Ankers erzeugen kann. Nimmt man bei einem Crash sofort das Gas weg, laufen die Rotorblätter daher fast wie mit einem Freilauf, was Beschädigungen vermeidet. Für Anfänger ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Einstellungen? Nein Danke. Auch beim mSR X sind keinerlei Einstellungen für das Flybarless-System (FBL) vorgesehen. Das ist für technisch wenig versierte Piloten ein Vorteil, etliche fortgeschrittenere Nutzer würden sich aber die Möglichkeit einer individuellen Anpassung wünschen. Umclippsen der Gestänge auf die kürzeren Kugelköpfe an der Taumelscheibe wird die Reaktion des FBL und der zyklischen Steuerung allenfalls geringfügig verringern. Eine bei neutraler Trimmung am Sender und korrekt initialisiertem FBL schief stehende Taumelscheibe sollte durch Längenänderung der Gestänge zu den Servos korrigiert werden. Unser Exemplar kam mit perfekt justierter Taumelscheibe aus der Schachtel. Die Rotorblätter waren extrem locker in den Blattgriffen, wir haben die Klemmung soweit angezogen, dass die Rotorblätter bei seitlich gekipptem Heli ohne Widerstand gerade noch von selbst nach unten klappen. Da die Bewegung in den Blattgriffen die fehlenden Schlag- und Schwenkgelenke ersetzt, sollten die Blätter auf keinen Fall fest eingeklemmt werden.

Radio Control
Der mSR X funktioniert mit DSM2- und DSMX-Sendern. Wir haben ihn ohne jedes Problem an den Speicherplatz unserer DX7 gebunden, mit dem wir unseren mSR fliegen. Alle Einstellungen sind normal: Swash Type 1 Servo, kein Expo, kein Dual Rate, kein Traveladjust und Gaskurve linear. Lediglich Piloten, die den Gashebel ziehen statt zu drücken, müssen THRO reversieren. Später sind eventuell 80 Prozent Dual Rate bei Gier sinnvoll und eine lineare Gaskurve von 0 bis 80 Prozent, um Leistung und Stromaufnahme bei Vollgas zu verringern. Beim RTF-Sender wirkt Dual Rate auf alle Steuerfunktionen gleichzeitig – für erste Flüge eine gute Option.

Drehzahl
Unser Exemplar schwebte bei etwa 2.900 Umdrehungen pro Minute (U/min) und einer Stromaufnahme von etwa 1,4 Ampere (A) bei 4,0 Volt (V). Bei Vollgas waren es 4.000 U/min und stolze 2,8 A. Der mSR genehmigte sich beim Schweben bei 2.900 U/min nur etwa 0,9 A und bei Vollgas waren es 3.500 U/min sowie 1,4 A. Doppelter Strom bei Vollgas führte leider nicht zu doppelter Leistung. Der mSR X ist dem mSR aber dennoch in der Leistung um grob 50 Prozent überlegen.

Im normalen Flugbetrieb bei 20 Grad Celsius Umgebungstemperatur lagen noch akzeptabel 55 bis 60 Grad am Hauptmotor und 45 bis 50 Grad am Heck an. Die hohe Stromaufnahme bewirkt eine kürzere Flug­­­dauer um die 4 Minuten gegenüber 6 Minuten beim mSR. Es sind sehr gute LiPos mit mindestens 20C-Entladerate und mindestens 2C-Laderate erforderlich. Neue Hyperion (160 mAh, 25C, mit Laderate bis 5C) wurden nach vier Minuten Flugzeit und 3,7 V unbelastet mit 115 mAh nachgeladen. Langzeiterfahrungen mit diesen LiPos haben wir noch nicht.

Die Motoren des mSR X schalten bei etwa 3,0 Volt sehr plötzlich ab, der Heli fällt zügig auf den Boden – Fliegen nach Timer ist also sinnvoll. Ein Reaktivieren durch Pumpen am Gashebel ist im Gegensatz zum mSR nicht möglich. Den Reichweitentest der Fernsteuerung mit der DX7 haben wir angesichts der minimalen Abmessungen des Helis bei 200 Metern abgebrochen. Wird die Verbindung zum Sender vorübergehend unterbrochen, bindet sich das System problemlos neu. Die FBL-Elektronik aktiviert sich nach dem Binden an den Sender erst beim Gasgeben, dadurch konnten wir nach Anstecken des LiPos den Heli in einer beliebigen bequemen Position ganz ruhig halten bis die Servos kurz zuckten und ihn dann erst auf den Boden stellen.

Einsteiger-Setup
Bei den ersten Versuchen sollte man neue Akkus keinesfalls voll entladen – das schadet der Lebensdauer und der Kapazität. Beim Start drückt der Heckrotor den Heli nach links, bis sich nach dem Abheben eine Schräglage nach rechts einstellen kann, um diese Drift zu kompensieren. Für Anfänger ist das unangenehm und wurde beim mSR perfekt durch eine schief im Rahmen stehende Rotorwelle beseitigt. Beim mSR X tritt dieser Effekt aber deutlich auf. Auf glattem Boden gibt man langsam Gas. Rutschen nach vorne/hinten kompensiert man mit der Nick-, Drehen nach rechts/links mit der Gier-Trimmung. Ein gewisses Rutschen nach links sollte man tolerieren. Nun stellt man den Heli auf einen rutschfesten Untergrund. Wenn er „leicht“ wird, lässt man ihn mit einem kurzen, beherzten Gasstoß abheben. Er sollte dann knapp einen halben Meter über dem Boden ruhig schweben, seitliche Bewegungen kompensiert man mit der Rolltrimmung (dazu den Heli zuvor absetzten). Sehr wichtig: Für Anfänger ist ein absolut präzise getrimmter Heli unabdingbare Voraussetzung für produktives Training.

Im Gegensatz zum mSR ist der mSR X im Schwebeflug sehr beweglich und beschleunigt auch aus dem Schwebeflug heraus willig und zügig. Anders als sein Vorgänger behält er alle Bewegungen bei, auch wenn die Knüppel am Sender wieder neutral gestellt werden. Um eine Bewegung zu beenden, ist aktives Gegensteuern erforderlich. Für Anfänger ist dieses eigentlich sehr angenehme Verhalten gewöhnungsbedürftig. Das FBL-System hält alle Achsen stabil, was ein plötzliches Wegsteigen nach einer Beschleunigung verhindert und den Einfluss von Wind verringert. Der mSR X verträgt eine mäßige, schwache Luftbewegung deutlich besser als der mSR und zeigt eine durchaus beherrschbare Reaktion auf kleinere Böen. Das Heck ist auch beim Rückwärtsflug und Gasgeben stabil, macht jedoch speziell bei Wind gelegentlich mit leicht aufheulendem Heckmotor kleine Schlenker. Pirouetten gelingen nach einiger Übung ordentlich.

Rechtskurven lassen sich mit Unterstützung des Heckrotors mit Roll und Gier sehr präzise, eng und langsam auch im Zimmer fliegen. Linksherum, also bei geringer Heckrotordrehzahl, muss man das hingegen erst lernen. Am besten fliegt man diese nur mit Gier, hält die Fahrt mit Nick und steuert im zweiten Teil der Kurve bei Bedarf mit Roll nach rechts dagegen. Anfänger sollten bei Linkskurven im Zimmer sehr vorsichtig sein und notfalls beherzt den Gierknüppel einsetzen. Diese für viele SR-Helis normale, aber bei unserem mSR X noch stärker als beim mSR ausgeprägte Kurven-Asymmetrie wird für einige Piloten ein kleiner Pferdefuß im Flugverhalten des mSR X sein.

Hemmungslos
Training für den Umstieg auf einen Kollektiv-Pitch-Heli (CP) führt mit dem mSR X deutlich weiter als mit dem mSR. Wer den mSR X sauber fliegen kann, hat mit einem CP auch keine Probleme mehr. Gleichzeitig hat die Eignung für Anfänger aber deutlich abgenommen. Konnte man den mSR dort uneingeschränkt empfehlen, sollte ein Einsteiger vor dem Fliegen des mSR X zumindest einige Stunden mit einer PC-Simulation üben. Tut er das nicht, wird es unzählige harte Landungen geben. Aber gerade dabei zeigt sich der größte Vorteil des mSR X: Reduziert man rechtzeitig das Gas auf Null, ist er unschlagbar crash-resistent. Mit dem mSR X können auch geübte Piloten Spaß haben, wenn sie nicht unbedingt auf Kunstflug Wert legen. Wir ertappten uns dabei, unser wertvolles Testexemplar schon nach wenigen Akkuladungen trotz Wind und Schnee sehr rasant in allen Winkeln des engen Gartens herumzuscheuchen. Bei der enormen Crash-Festigkeit fallen eben alle natürlichen Hemmungen.

Volker Steiger -  Verfasst vor 25 Tagen

Hallo,

toller Bericht. Ich habe seit gestern den Kleinen. Ich habe vorher den Blade Mcx geflogt. Da sind Welten dazwischen. Gerade das Gegensteuern macht mir Probleme, aber man lernt. ;)

Frage: Das der Heli schräg in der Luft steht, ist normal?

Grüße
Volker Steiger

Thomas Kuttich -  Verfasst vor 29 Tagen

Ja, die schräglage ist bei FP/ CP Helis normal und entsteht durch den Gegendruck, der vom Heckrotor erzeugt wird.

Gruß T. Kuttich

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