KDS 450 Quiet von Tempohobby

Silentium

Erstellt am: 14. August, 2010

Kategorie: Modelle

Text
Raimund Zimmermann

Fotos
Raimund Zimmermann

Hersteller/Importeur
Tempohobby

Internet
»http://www.tempohobby.com

Durchmesser: 718mm

Gewicht: 800g (mit akku)

Preis: 399,- Euro

Magazin:  Ausgabe

Ausgabe: Ausgabe 09/2010

Erschienen im: August 2010

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Ausgabe 09/2010
KDS 450 Quiet von Tempohobby

Das Sortiment der 450er-Helis aus dem Hause KDS, die hierzulande von Tempo RC über den Fachhandel vertrieben werden, ist inzwischen sehr umfangreich. Es gibt Heli-Systeme für nahezu jeden Gelbeutel und jedes Anforderungsprofil – vom Low-Cost-Modell bis hin zur CFK-Alu-Edel-Version inklusive hochwertigem Gyro und komplettem RC- und Zubehör-Equipment. Und es geht weiter: Neueste Kreation ist der KDS 450 Quiet, der vor allem wegen seiner besonderen Antriebsauslegung aus der Reihe tanzt. Wir haben die RTF-Version getestet.

Klar wie Kloßbrühe: „Quiet“ steht für leise – und das soll das herausragende Merkmal des Neuen sein. Dabei sieht die Konstruktion doch im Wesentlichen nicht viel anders aus wie die seiner Geschwister. Doch nur auf den ersten Blick.

Langes Ding
Also packen wir zuerst einmal den Heli aus dem schwarzen Alu-Transportkoffer, um hier Aufklärung zu schaffen. Nach Demontage der im gelben Grundfarbton lackierten GFK-Kabinenhaube, die mit schickem Metallic-Effect und rot-schwarzen Verzierungen versehen ist, wird bei genauerem Hinsehen deutlich, was hier anders ist als bei den anderen Helis der KDS-Systemfamilie. Das Hauptzahnrad wird seitlich von einem langen Zahnriemen umschlossen, der vom Riemenrad des Motors bis hin zum Heckrotor verläuft.

Um dem Radius des weißen, großen 100-Zähne-Hauptzahnrads gerecht zu werden, wird der Zahnriemen sowohl unmittelbar hinter dem Motor als auch kurz vor dem Eintritt ins Heckrohr von jeweils zwei Andruckrollen geführt. Diese sitzen jeweils innerhalb des Chassis, sind aus Aluminium gefertigt und vollständig kugelgelagert. Während die vorderen Andruckrollen geschickterweise auf dem massiven Alu-Motorträger befestigt sind, gibt es für die hinteren eine gesonderte, zwischen den Chassishälften sitzende Querstrebe, die für unverrückbaren Halt sorgt.

Box Content
Da unsere Technik-Neugierde fürs Erste einmal befriedigt ist, was es mit dem „Leise-sein“ auf sich hat, schauen wir uns das weitere Material an. Neben dem betriebsbereit montierten Heli gibt es außerdem noch einen Siebenkanal-Handsender (ohne Akkus), einen 3s-LiPo-Lader nebst Netzteil, ein 3s-LiPo-Akku, CFK-Hauptrotorblätter und diverse Kleinteile wie beispielsweise eine Rotor­blattstütze und Ersatzschrauben.

Die weiteren im RTF-Set enthaltenen Komponenten sind bereits so sauber im Heli verbaut, dass man es selbst kaum hätte besser machen können. Das sind: drei 9-Gramm-Servos für die Taumelscheiben-Ansteuerung, ein KDS 800-Gyro, ein Achtkanal-Empfänger und ein schnelles Digital-Coreless-Servo für die Heckrotorsteuerung. Die Antriebsteile, bestehend aus einem bürstenlosen Außenläufer­motor (1.600 Umdrehungen pro Volt pro Minute) und dem KDS BEC-Controller mit 40 Ampere, vervollständigen das Kit. Keine schlechte Ausrüstung, wenn man bedenkt, dass das Ganze für 399,– Euro zu haben ist. Wer seinen eigene Sender plus Empfänger einsetzen möchte, kann sich für das ARF-Set entscheiden, das ohne den KDS-Sender und -Empfänger für 299,– Euro angeboten wird.

Aluminium-Orgie
Extrem robust und spielarm konstruiert ist das gesamte Rotorsystem des Quiet, das sogar – genau wie das Topmodell KDS-450SV Pro RTF (Test in RC-Heli-Action 6/2010) – komplett aus Aluminium besteht. Während die Bell-Hiller-Mischarme beim SV an der Steuer­brücke der Stabilisierungsstange befestigt sind, sitzen sie beim Quiet direkt an den Blattverstellarmen der einteiligen Blatthalter. Letztere nehmen die 315 Millimeter (mm) langen, schwarz-gelb lackierten CFK-Hauptrotorblätter auf, die mit M3-Schrauben und Stoppmuttern befestigt sind. Die Blattlagerwelle ist durchgehend, die beidseitige Dämpfung besteht aus O-Ringen, die im Alu-Rotorkopf-Zentralstück eingesetzt sind. Der Hilfsrotor hat einen Durchmesser von 290 mm (zum Vergleich: SV 310 mm).

Die Chassis-Konstruktion besteht aus zwei miteinander verschraubten CFK-Seitenteilen mit einer lichten Innenweite von 24 mm. Die Verbindung der Platten übernehmen Alu-Lagerböcke beziehungsweise im unteren Chassisbereich Alu-Distanzbolzen. Ganz vorn gibt es eine CFK-Plattform zur Unterbringung des 3s-Akkus, der Heck-Gyro sitzt über der Alu-Heckrohr-Verschraubung. Das alles führt zu einer extrem verwindungssteifen Konstruktion. Klasse gelöst ist die direkte 120-Grad-Anlenkung der Taumelscheibe (zwei Mal Roll vorne, Nick hinten), bei der alle drei Servos senkrecht stehend im Chassis verbaut sind und über kurze Gestänge die Kugeln des Außenrings ansteuern.

Beim Heckservo setzt KDS auf das bewährte Speed-Digital N590, das – um es vorwegzunehmen – im Zusammenspiel mit dem Heading-Lock-Gyro-System KDS 800 beste Heck-Performance bietet. Der nahezu versteckte Empfänger ist serienmäßig im unteren Bereich zwischen den Chassis-Seitenteilen zu finden, der Controller mit integriertem BEC befindet sich am rechten Chassis unterhalb des Heckservos, das über einen zweifach am Alu-Heckrohr geführten Stahldraht mit dem Heck-Umlenkhebel verbunden ist.

Andersartig
Von allen bisherigen 450er-KDS-Helis ist der Heckrotor des Quiet der ungewöhnlichste – nicht ohne Grund. Markant ist hier das große Alu-Zahnriemenrad mit 22 Zähnen, das wegen des Direktantriebs mit dem durchgehenden Zahnriemen zur Einhaltung des entsprechenden Übersetzungsverhältnisses notwendig ist. Eine oben an den CFK-Heck-Gehäuseplatten montierte Alu-Andruckrolle sorgt dafür, dass ein Überspringen bei starken Belastungen verhindert wird und der Riemen im korrekten Winkel ins Heckrohr eintaucht.

In die große Nut der Pitch-Schiebehülse greift ein winziges, auf dem Heck-Umlenkhebel befestigtes Kugellager ein, das in Kombination mit der Alu-Steuerbrücke und den einteiligen Alu-Heckrotor-Blatthaltern insgesamt für eine spielarme Anlenkung sorgt. Das alles macht sich in der Summe positiv beim Fliegen bemerkbar, denn das Gyro-System kann in seiner Empfindlichkeit sehr weit aufgedreht werden, ohne dass es zum Schwingen neigt. Entsprechend knackig und sauber reagiert die gesamte Hochachsensteuerung, die Drehgeschwindigkeiten in beide Richtungen sind konstant.

Upstairs
Absolutes Muss: Vor Inbetriebnahme und Flugeinsatz gilt es, sich ausführlich über die Funktionen „Throttle-Hold”, „Idle-Up” und „Dual-Rate” des mitgelieferten Handsenders vertraut zu machen. Die deutsche Anleitung von Tempo RC geht hier auf alle wesentlichen Punkte ein, die man sorgfältig vor dem Flugeinsatz studieren und begreifen sollte. Wer nicht vorbelastet ist, dem raten wir, sich beim Einfliegen und den ersten eigenen Flugversuchen von einem erfahren Piloten helfen zu lassen. Der wird dann beispielsweise auch darauf hinweisen, dass „Idle-Up“ und „Throttle Hold“ keinesfalls beim Akku-Anstecken des Modells aktiviert sein dürfen und sich Pitch im Negativbereich befinden muss, um – trotz integrierten Anlaufschutzes des Controllers – mit keinen unliebsamen Überraschungen konfrontiert zu werden.

Die für die Akku-Befestigung vorgesehene Plattform ist beim Quiet ziemlich kurz bemessen; der 3s-Pack hat lediglich auf der Hälfte seiner Länge Kontakt mit dem Chassis. Deswegen ist hier unbedingt für gründliche Arretierung zu sorgen. Wir haben das mit vollflächigen Klettband-Pads auf Akku und Bodenplatte sowie zwei zusätzlichen Schlaufenbändern gelöst.

Mit vollgeladenem Akku checken wir zuerst alle Funktionen im Bodentest, dann wird der Antrieb langsam hochgefahren. Die Kraftübertragung läuft, wie zu erwarten, tatsächlich sehr geräuscharm. Schließlich gibt es keine Zahnräder oder Ritzel, die durch ihr Ineinanderkämmen bei den relativ hohen Drehzahlen das übliche Getriebe-Laufgeräusch verursachen könnten. Während des Hochfahrens auf Betriebsdrehzahl ist eine kleine Resonanz feststellbar, die jedoch völlig verschwindet.

Erster Eindruck beim Schweben: Sehr angenehme Drehzahl, die Geräuschentwicklung ist beein­druckend. Der Heli liegt brettstabil in der Luft, die Ruderreaktionen kommen unverzögert an, sind für unseren Geschmack in ihrer Stärke genau richtig gewählt und geben keinen Grund für irgendwelche Änderungen. Die Heckrotor-Performance ist genial. Nach den ersten schnelleren Pirouetten mit anschließendem knackigen Abbremsen der Hochachsendrehung, bei dem man deutlich das angenehme Laufgeräusch der Heckrotorblätter hört, kann dem Zahnriemen-Antrieb nur Gutes attestiert werden, denn der wird bei diesem Prozedere extrem gefordert.

Nicht nur bei den Schwebeflugmanövern, auch bei den Fahrtfiguren verhält sich der Quiet mustergültig neutral. Die Leistungsentfaltung ist gut, zu keiner Zeit bricht das Triebwerk in seiner Drehzahl ein. Nach sieben Minuten wird gelandet. Feststellbar ist, dass der Motor deutlich heißer (etwa 85 Grad Celsius Temperatur) wird als beim KDS 450 SV. Kein Wunder: Zum einen ist das Brushless-Außenläufer-Exemplar des Quiet etwas kleiner, zum anderen fordert die durch die mehrfache Umlenk- und Andruckrollen „gewalkte“ Zahnriemenführung ihren Tribut in Form von Reibung. Controller und Akku belieben dabei nur handwarm. Wir laden anschließend in den LiPo-Akku 1.200 Milliamperestunden ein, was allerdings Rückschlüsse auf eine nicht ungewöhnlich hohe Stromaufnahme des Antriebs zulässt. Somit alles im grünen Bereich.

Die weiteren Flugerprobungen bringen nur Positives mit sich. Das anfänglich zu beobachtende Resonanzverhalten beim Hochlaufen ist mittlerweile vollständig von alleine verschwunden, als wenn es sich um eine Art Einlaufprozess gehandelt hätte. Der Antrieb läuft tadellos, vor allem aber vibrationsarm, auch bei hoher Drehzahl (Idle-Up). Zu keinem Zeitpunkt ist ein Flattern des Riemens feststellbar. Auch ein Test der Zahnriemenspannung, der über Langlöcher im Motorträger oder axiales Verschieben des Heckrotors verändert werden könnte, gibt keinen Grund für eine eventuelle Korrektur.

Der gesamte Riemen ist zwischenzeitlich auf seiner Außenseite mit einer gleichmäßigen, aluminiumfarbenen „Patina“ versehen – ein weiteres Indiz für den regen Kontakt mit den vielen Alu-Andruckrollen. Beschädigungen oder außergewöhnlicher Verschleiß sind am Riemen bisher nicht zu entdecken. Die Langzeiterprobung wird zeigen, wann hier der Zeitpunkt für einen Wechsel gekommen ist – wenn überhaupt erforderlich.

Bonuspunkte
Das Konzept des KDS 450 Quiet geht auf. Der Antrieb mit dem durchgehenden Zahnriemen ist technisch sehr gut und einfach umgesetzt. Das Wichtigste: Das System läuft drehzahlfest und äußerst vibrationsarm. Das hauptsächlich gesetzte Ziel, das Betriebsgeräusch des Helis deutlich angenehmer zu gestalten, ist erreicht und kann bestätigt werden. Die serienmäßig verbauten Komponenten überzeugen, sind „out of the box“ bedenkenlos einsetzbar und das Fliegen damit macht Freude. Auch das Preis-Leistungs-Verhältnis ist mehr als fair, sodass wir den Quiet bedenkenlos weiterempfehlen können.