Carbooon 500 von BMI

Carbooon 500 von BMI

Die 500er-Klasse der Elektrohelis hat Verstärkung bekommen. Carbooon 500 heißt der neue Kanditat aus dem Hause BMI, der nicht nur wegen seines Preises, sondern auch wegen seiner konstruktiven Merkmale für Aufsehen sorgt. Wir haben uns den neuen Schwarzen im Carbon-Look einmal vorgeknöpft.

Der Carbooon 500 erweitert die Serie der BMI-Modelle. Insbesondere der Carbooon 450 ist ein beliebtes Modell, das in vielen verschiedenen Ausstattungsvarianten bis hin zu RTF (Ready to Fly) angeboten wird. Auch beim großen Bruder stehen drei Ausführungen zur Wahl: Als teilmontierter Baukasten mit und ohne Antrieb oder als flugfertiges Modell komplett mit Fernsteuerung. Für unseren Test wurde die Variante mit Antriebsset gewählt.

Inside
Der Bausatz wird vormontiert geliefert. Bestimmte Teilgruppen wie der Rahmen oder der Rotorkopf sind bereits zusammengebaut und müssen nur noch endmontiert werden. Neben den bereits erwähnten Komponenten enthält der kompakte Karton noch ein Paar CFK- Hauptrotorblätter, eine bereits lackierte GFK-Haube, ein Transporthalter für die Rotor­blätter und zwei Bauanleitungen. Eine multilinguale Anleitung von BMI beschreibt die Endmontage der vormontierten Teile sowie den Betrieb des Helis. Jedoch ist auf den kleinen schwarzweißen Fotos kaum etwas zu erkennen. Auch wird im Text häufig nur von Schrauben gesprochen, deren Abmessungen aber unerwähnt bleiben.

Die zweite Anleitung dagegen ist zwar nur in Englisch, beschreibt aber die komplette Montage im Detail. Sie ist mit Zeichnungen und Fotos sowie Bauteil-Beschreibungen insgesamt ausführlicher gestaltet und gibt neben Montagehinweisen auch noch detaillierte Tipps zur Programmierung von Pitch- und Gaskurve sowie eine Setup-Tabelle für verschiedene Antriebs-Konfigurationen, je nach Motor, Ritzel oder Antriebsakku.

Mechanikus
Die Konstruktion des Carbooon ähnelt in Konstruktion und Ausstattung sehr stark der des T-Rex 500GF. Die Seitenplatten des Rahmens bestehen aus GFK in Kohlefaseroptik. Zusammen mit Querverbindungen aus Aluminium und Kunststoff ergibt das eine sehr verwindungssteife Einheit. Direkt im Rahmen werden die Taummelscheibenservos und der Antrieb montiert. Der Akku sitzt ganz vorne auf einer Rutsche und wird von einem Klettband in Position gehalten.

Der Rotorkopf mit untenliegender Hilfsrotorebene ist konventionell aufgebaut. Zentralstück, Blatthalter und Taumelscheibe bestehen aus Aluminium. Pitchkompensator und Scherenarme sind dagegen aus Kunststoff. Die Taummelscheibe wird direkt von den Servos angesteuert. Durch die 120 Grad versetzten Anlenkpunkte ist ein elektronischer Taummelscheibenmischer zwingend erforderlich. Der komplette Kopf ist selbstverständlich kugelgelagert und besitzt zusätzlich noch Drucklager in den Blatthaltern.

Der Heckrotor wird über einen Zahnriemen angetrieben und ist für Autorotation mitdrehend ausgelegt. Auch er besitzt neben einem Radial- auch ein Axiallager im Blatthalter; letztere sind im Gegensatz zum Hauptrotor aus Kunststoff. Das Heckrotorservo ist hängend am Heckrohr montiert und ermöglicht so die direkte Ansteuerung mithilfe eines Stahldrahts. Nicht neu, aber trotzdem eine prima Sache, ist die Demontage des kompletten Heckauslegers, ohne die Riemenspannung verändern zu müssen.

Bauphase
Bevor man mit der Montage beginnt, sollten zuerst alle Kanten an den GFK-Platten gebrochen werden, um die Kabel nicht zu beschädigen. Aufgrund der bereits vormontierten Baugruppen ist die Endmontage schnell erledigt. Solange der Rahmen noch gut zugänglich ist, sollten – entgegen der Reihenfolge in der Anleitung – zuerst die Taummelscheibenservos montiert werden. Unerwartet dauerte dies länger als zunächst veranschlagt, da die erstmalig zum Einsatz kommenden DES 658-Servos von Graupner etwas zu kurz für die Öffnung im Seitenrahmen waren. Die Servoausschnitte sind für Midiservos mit 13 bis 16 Millimeter Breite ausgelegt (Länge der Ausschnitte
36 Millimeter). Daher mussten die Befestigungs­­löcher erst zu Langlöchern aufgefeilt werden. Es liegen zwar Abstandshalter und M2-Schrauben als Befestigungsmaterial für die Servos bei, allerdings fehlten die dringend benötigten Unterlegscheiben. Zur Sicherheit gegen Beschädigungen wurden danach die Anschlusskabel in einem Gewebeschlauch auf der Innenseite des Rahmens verlegt.

Ein kurzer Check der Schraubverbindungen ergab, dass bei der werkseitigen Vormontage Schraubensicherung verwendet wurde. Allerdings fiel auch auf, dass auf der Unterseite der Taumelscheibe noch Bearbeitungsspäne waren. Somit wurde zuerst gereinigt, um Schäden an den Lagern zu vermeiden, bevor der bereits vormontierte Rotorkopf in die Domlager und die Freilaufnabe geschoben und mit einer M2,5-Schraube gesichert werden konnte. Lediglich die Paddelstange nebst Paddel müssen der Vollständigkeit halber noch selbst angebracht werden. Rein mechanisch ist ein Pitchbereich von ± 14 Grad möglich. Die Bauanleitung empfiehlt selbst im 3D-Flug nicht über 11 Grad zugehen, sondern die Leistung besser über höhere Drehzahlen zu erreichen, falls man sie überhaupt benötigt. Das wäre insgesamt stromsparender und würde das gesamte System nicht so belasten, was noch in der Praxis getestet werden sollte. Deshalb wurde für den ersten Test die Pitchkurve auf –5 bis +11 Grad und mit Idle1 auf ± 11 Grad eingestellt. Allerdings mussten hierfür die bereits vormontierten Gestänge um etwa
5 Millimeter verlängert werden, damit bei Knüppelmittelstellung der Einstellwinkel bei null Grad liegt.

Heckpartie
Der Heckausleger kann als komplette Einheit fertig gestellt werden, bevor er in den Rahmen gesetzt wird. Die Heckrohr-Öffnungen sollten unbedingt noch entgratet werden, damit der Heckriemen keinen Schaden nehmen kann. Im Neuzustand läuft der Riemen selbst ungespannt etwas stramm, aber er dehnt sich nach den ersten Flügen, sodass er ausreichend leichtgängig läuft. Auch bei der Halterung für das Heckservo mussten die Befestigungslöcher nachgearbeitet werden und Unterlegscheiben zum Einsatz kommen, bis das superschnelle Graupner DES 677 passte. Etwas befremdlich ist die Tatsache, dass die Führungen für die Steuerstange im Durchmesser etwas größer sind als das Heckrohr. Die Bauanleitung empfiehlt einen Kabelbinder unterzuschieben und diesen bündig abzuschneiden. Das kann man passgenauer und somit deutlich professioneller lösen.

RC- und Antriebs-Equipment
Der Einbau der restlichen Elektronik gestaltete sich unkompliziert. Der Empfänger wird auf der dafür vorgesehenen Halterung unter dem Heckabtrieb montiert. Das Gyro-System findet auf dem Heckrohrhalter seinen Platz. Um die Kabelwege möglichst kurz zu halten, wurde der Controller seitlich am Rahmen befestigt. Somit bleibt im unteren Teil des Rahmens noch ausreichend Platz, um eventuell einen Empfängerakku einzubauen. Da der dem Antriebsset beiliegende Controller des Typs Spitz C-75S über ein verstärktes BEC mit bis zu 4 Ampere bei 5,5 Volt verfügt, wurde auf einen Empängerakku zunächst verzichtet.

Der Controller Spitz C-75S, der einen Schalter zum Ein- und Ausschalten der Empfänger-Stromversorgung besitzt, ist bereits helitauglich eingestellt: keine Bremse, Governor-Modus und Drehzahlreduzierung bei leerem Akku. Wer weitere Einstellungen vornehmen möchte kann dies wie üblich per Fernsteuerung machen oder noch einfacher mit der Spitz-Programm-Card. Allerdings bietet diese nicht alle möglichen Einstellparameter an. So kann zum Beispiel der Governor-Mode nur über den Sender aktiviert beziehungsweise deaktiviert werden. Da der Motor für diese Größe mit 2.500 Umdrehungen pro Volt und Minute recht hoch dreht, wurde das kleinere der beiden Motorritzel gewählt und die Gaskurve auf 70 Prozent im Normal- und auf 90 Prozent im Idle-up-Modus gewählt.

Schickmacher
Zur endgültigen Fertigstellung fehlte jetzt nur noch die GFK-Haube. Sie ist bereits fertig lackiert inklusive dem BMI-Logo und dem Carbooon 500-Schriftzug. Es müssen lediglich noch zwei Löcher mit 4,5 Millimeter Durchmesser für die Halterung gebohrt werden. Zur besseren Fixierung sitzt die Haube unten in einer Nut des Rahmens. Somit würde sie bombenfest halten, wenn nicht die Befestigung der Alubolzen etwas unglücklich gelöst wäre. Sie werden mit einem Gewinde­stift in die Taumelscheibenführung geschraubt. Aber die 2,5-Millimeter-Gewindestifte brechen leicht aus dem verstärken Kunststoff aus. Besser ist es, die Löcher durchzubohren und die Bolzen mit einer durchgängigen Gewindestange festzuschrauben. Wer möchte, kann die Taumelscheibenführung von innen noch mit Gegenmuttern fixieren.

Testfliegen
Der Erstflug fand bei herbstlichem Wetter, aber mäßigem Wind statt. Der Spurlauf wurde kontrolliert, die Drehzahl erhöht und Pitch gegeben. Nach leichten Korrekturen der Trimmung stand er fast wie angenagelt in der Luft. Etwas Expo auf Nick und Roll sind hier hilfreich. Ingesamt entsprechen die Flugleistungen den Erwartungen. Der Carbooon reagiert spontan auf alle Kommandos, ohne dabei nervös zu wirken.

Für normalen Rundflug und 3D ist der Carbooon mit dem Spitz 500 ausreichend motorisiert. Wenn es allerdings härter zur Sache geht, kommt der Motor an seine Grenzen. Somit sollte der maximale Pitch lieber etwas niedriger und die Drehzahl etwas höher gewählt werden. Motor und Controller werden dennoch nur mäßig warm. Die Flugzeit beträgt mit den beiden in Reihe geschalteten dreizelligen LiPos mit 2.200 Milliamperestunden Kapazität etwa fünf Minuten, plus minus eine Minute je nach Flugstil. BMI empfiehlt für sechszellige Akkus eine Kapazität zwischen 2.000 und 2.500 Milliamperestunden. Nutzt man die maximal empfohlene Kapazität ganz aus, kann es sehr schnell eng unter der Haube zugehen, denn der Platz ist begrenzt.

Kompatibel
Mit dem Carbooon 500 bekommt man ein ausgereiftes und günstiges Modell der Ein-Meter-Klasse angeboten, mit dem man nichts falsch machen kann, egal ob Einsteiger oder 3D-Bolzer. Er bietet solide und erprobte Technik, auch wenn hier und da etwas Nacharbeit, vor allem beim Einbau der Servos, nötig ist. Zudem sind die meisten Teile mit anderen 500er-Helis kompatibel, was die Ersatzteilbesorgung deutlich erleichtert.