Ganz ehrlich, das was Gaui mit der neuen X-Serie auf die Kufen stellt, darf ohne zu übertreiben als sehr hochwertig angesehen werden. So auch der neue X2, der natürlich als reiner Bausatz, jedoch mit allem nötigen Zubehör beim Heli-Shop zu haben ist. Mit dabei in der Super-Combo-Variante sind hochwertige Servos der 10-Gramm-Klasse von Gaui, ein Scorpion-Außenläufer mit Gaui-Controller und ein microbeast von BeastX. Man braucht lediglich nur noch einen 3s-LiPo mit etwa 900 Milliamperestunden Kapazität und einen Empfänger – am besten mit unverlängerter 2,4-Gigahertz-Antenne.
Von klein an
Wie eingangs erwähnt, ist Gaui eine der wenigen Firmen, die sich schon ziemlich lange mit der Entwicklung von Kleinhelis beschäftigt. Die Serie beginnt mit dem nur 340-Millimeter- (mm) kleinen Gaui 100, und allein der mittlerweile schon betagte 200er in seinen zig Entwicklungsstufen prägt wie kein anderer diese Klasse. Doch diese Helis besaßen alle noch eine Paddelstange – und das ist in dieser unserer heutigen Flybarless-Zeit natürlich nicht mehr drin. FES nennt sich das System bei Gaui, wobei man sich doch ein wenig fragt, warum eine im Grunde abgespeckte Mechanik nun einen neuen Namen bekommt und als Technologie verkauft wird. Die eigentliche Innovation steckt bei den paddellosen Helis bekanntlich in der Elektronik – die bei unserem Muster von einem microbeast von BeastX vertreten wird.
Dass der X2 eine Reihe von älteren Brüdern besitzt, bemerkt man beim ersten Öffnen einer Teiletüte. Ja, beim kleinen Gaui darf noch richtig geschraubt werden. Das macht allerdings anhand der sehr guten Anleitung richtig Spaß. So beginnt der Bau mit dem Zusammenfügen der zwei Rollservos. Diese sitzen nebeneinander vor der Hauptrotorwelle auf jeweils einem Aluminium-Träger, die mit vier kleinen Schräubchen im Chassisvorbau befestigt werden. Das Chassis selbst ist dreiteilig aufgebaut und besteht aus 1,5 mm dicken CFK-Platten, die von Aluminiumbolzen mit Innengewinden auf das richtige Maß gehalten werden. Der erwähnte Vorbau ist mit 27 mm gerade so dick wie nötig, um die beiden Rollservos nebeneinander aufnehmen zu können.
Der Chassis-Rücken misst dagegen nur noch 14 mm in der Außenbreite. Dadurch können auch die Domlager und die Aufnahmen des Heckrohr schmaler und damit leichter gehalten werden. Das Nickservo der 120-Grad-Anlenkung ist einfach außen angesetzt. Im nächsten Schritt wird auch schon das Ritzel auf den beiliegenden Außenläufer geklebt – mit Lagerkleber natürlich. Die Bauanleitung gibt hier zwar ein Maß vor, doch sicher ist sicher. So ist zu empfehlen, das Verkleben erst kurz vor der Hochzeit der unteren mit der oberen Chassishälfte vorzunehmen. Ungewöhnlicherweise sitzt der mit Gaui gebrandete Scorpion-Außenläufer hinter der Rotorwelle auf einem massiven, aber großzügig ausgesparten Motorträger.
So oder so
Optional könnte man auch den Drehstromtreibling vor die Rotorwelle setzen, der Platz hierfür wäre vorhanden. Doch so stellt sich der Schwerpunkt mit einem etwa 100 Gramm schweren Akku perfekt ein. Gewichtsfanatiker können hier also noch locker 20 bis 30 Gramm einsparen. Bei der Breite des unteren Chassis war der Motor das Maß der Dinge, so passt er mit jeweils 2 mm Luft gerade so in den 33 mm breiten Korpus. Den Abschluss nach unten bildet eine durchgehende CFK-Platte, die von Aluleisten getragen wird, die zusätzlich noch die Kufen aufnehmen. Die mehrfache Verwendung von tragenden Elementen spart eben Gewicht.
Ganz vorn oben ist eine Aluplatte mit gerade mal zwei M2-Schrauben angebracht. Unter dieser hängt mit Klettband der Antriebsakku. Keine Sorge, man könnte zwar meinen, dass die Platte samt Akku unter Belastung einfach nach oben oder unten wegkippt, doch das ist in der Testphase nie geschehen. In der Mitte des gesamten Chassis sitzt wie üblich das Hauptzahnrad, auf dem über einen Freilauf angetrieben das kleine Tellerrad sitzt, in dem der Miniatur-Zahnriemen liegt. Zwei Spannrollen sorgen für einen perfekten Sitz im Heckrohr. Ein Metallriemenrad im großzügig ausgesparten Heckgehäuse nimmt die Traktion auf und gibt sie an den Heckrotor weiter.
Die im Vergleich zum Rest des Helis relativ weit ausladende Taumelscheibe prädestiniert sie für die Verwendung mit einem Flybarless-System – auch FES-Technologie genannt. Insgesamt gesehen ist der Rotorkopf im Grunde spielfrei, hier wackelt nichts oder dreht sich gar weg. Dafür sorgt der Mitnehmer des Taumelscheibeninnenrings, der direkt an das Zentralstück geschraubt ist. War beim Chassis noch richtig viel zu schrauben, erübrigt sich dies beim Haupt- und Heckrotor. Diese Baugruppen fallen fast vollständig montiert aus ihren Tütchen. Die obligatorische Überprüfung der Schaubverbindungen auf Sicherungslack ergab: alles bestens. Die Fixierung des Rotorkopfs auf der Hauptrotorwelle übernimmt wie üblich eine quer durch die Welle ragende Schraube. Hierzu ist das Zentralstück der Länge nach geschlitzt.
Hintendran
Ein Kleinod der Technik stellt auch der Heckrotor dar. Auch er besteht komplett aus Metall – davon der größte Teil aus Aluminium. Zur kollektiven Anlenkung der Heckrotorblätter hat man sich bei Gaui etwas Besonderes einfallen lassen. Denn den sonst üblichen L-Hebel sparte man sich komplett ein. Die Anlenkung erfolgt über einen Hebel, der direkt an der Wippe sitzt, die die Schiebehülse zur Ansteuerung der Blatthalter bedient. Diese Wippe ist mit zwei kleinen Kugellagern am Heckgehäuse spielfrei und leichtgängig gelagert und greift oben wie auch unten auf die Schiebehülse ein. Die Gelenke der Blatthalter hin zur Schiebehülse sind mit Messinghülsen ausgebuchst. Die gesamte Einheit ist sehr leichtgängig und spielfrei gleichzeitig.
Spätestens am zweiten Abend steht der Rohbau fertig auf dem Tisch. Abschließend befestigt man das Heckservo mittels Aluschellen am Heckrohr und verteilt die restlichen Komponenten wie Controller, Empfänger und microbeast im Chassis. Vor dem Ablängen der Gestänge – das Maß ist nicht in der Bedienungsanleitung angegeben – sollte man sich an die Programmierung des microbeast machen. Wir haben unser Gerät zuvor auf die aktuelle Version 3.08 upgedatet. Das geschieht über das Programm, das man unter www.beastx.de laden kann, sehr einfach. Beim Durchklicken durch die einzelnen Menüpunkte werden auch die Ansteuerfrequenzen der Servos abgefragt. Wir stellten unser microbeast bei den Taumelscheibenservos auf sichere 120 und das Heckservo auf 333 Hertz. Damit ist ein weicher Lauf der Rudermaschinen gewährleistet.
Während des Programmierverlaufs des microbeast stellt man die Servos auf Neutral – und zwar in der Flybarless-Elekronik selbst, nicht am Sender. Das ist der Punkt, an dem die Längen der Gestänge eingestellt werden. Denn gerade beim X2 ist es sehr wichtig, dass bei null Grad Pitch am Sender, beziehungsweise dem microbeast, auch tatsächlich null Grad am Hauptrotor anstehen – und natürlich auch keine Roll- oder Nickneigung der Taumelscheibe vorhanden ist. Kleinere Ungenauigkeiten steuert die Elektronik aus, größere lassen den Heli kontinuierlich rotieren. Apropos rotieren, es ist nun Zeit für den Erstflug.
Up up and away
Das microbeast sitzt direkt unter dem Hauptzahnrad, vor dem Motor. Davor sitzen der Empfänger und darüber der Akku. Es geht eng her, doch trotzdem sind die Komponenten und die Kabel fix verbaut, beziehungsweise verlegt. Der Controller besitzt keinen Governormodus, so benötigt man noch zusätzlich eine Gaskurve im Sender. Wir haben an unserer Spektrum DX8 in der Mitte 55 beziehungsweise 60 Prozent (zweite Gasvorwahl) Gasbeimischung eingestellt.
Der Rotor dreht hoch und der Heli hebt ab. Das war’s. Das Schöne an Flybarless-Systemen ist, dass man viel Einstellerei im Vorfeld erledigt. Macht man hierbei alles richtig, ist der Erstflug nur noch Makulatur. So auch beim X2: Das Heck übersteuerte noch etwas und die Gaskurve musste noch angepasst werden, doch der Rest passte. Beim ersten Rundflug trat ein etwas komisches Gefühl auf, passte doch das Flugverhalten so gar nicht zu einem Heli mit lediglich 560 mm Rotordurchmesser. Die kleine Kiste läuft richtig dynamisch und vermittelt das Fluggefühl eines eigentlich viel größeren Hubschraubers. Auch der Schwebeflug ist außerordentlich stabil. Wer mag, kann auf den zyklischen Funktionen Nick und Roll noch etwa 20 Prozent Expo aufmischen, doch eigentlich ist der voreingestellte Wert im microbeast schon ziemlich gut.
Aus dem Rundflug heraus gelang der erste Looping – und zwar viel einfacher, da der Kleine ohne Paddel richtig gut läuft. Rollen kommen zackig und enden knackig. Das Fluggefühl, das das microbeast vermittelt, ist außerordentlich angenehm. Die nächste Figur ist gemeinhin als Turn bekannt. Zauderern, die angesichts der Schmäle des Heckriemens ihm seine Funktion aberkennen möchten, sei gesagt, dass auch ein harter Turn den Riemen nicht zum Überspringen provozieren kann. Doch nicht nur der Heckrotor ist mit potenten Leistungen gezeichnet, auch der Antrieb überzeugt durch Drehmoment. So sind selbst kraftzehrende Figuren wie ein Tic-Toc problemlos meisterbar. Durch das geringe Gewicht des Helis machen auch Figuren wie Rainbows oder Pyroflips richtig Spaß. Im Grunde ist mit dem kleinen Gaui X2 jede nur erdenkliche Flugfigur fliegbar – solange der Pilot diese beherrscht. Kaum sind sechs bis sieben Minuten vergangen, steht auch schon die Landung an. Und keine Angst: Wir haben den Akku auch schon in knapp über vier Minuten leer bekommen.
Bester Mini
Mit dem Gaui X2 vom Heli-Shop aus Österreich bekommen Fortgeschrittene und Experten ein absolutes High-End-Gerät in die Finger. Das Super-Combo-Set überzeugt mit hochwertigen Komponenten und kraftvollem Antrieb. Der X2 eignet sich natürlich auch für Einsteiger. Diese sollten sich dann jedoch auf den ersten Schritten begleiten lassen. Der Gaui X2 gehört in jedem Falle zurzeit zu den besten Mini-3D-Helis der 250er-Klasse.
