EI-CATCHER | Habicht im Hühnerhof

von admin • 11.2.2010 • Kategorie: pilot`slounge • RC-Heli-Action bestellen
Ganz so krass wie der Habicht vom Huhn unterscheidet sich der Tracer 240 sicher nicht von den weit verbreiteten Indoor-Koax-Helis. Er ist aber zumindest deutlich flotter unterwegs und dabei fliegerisch auch etwas anspruchsvoller, denn wie die meisten „richtigen“ RC-Helis – und auch sein großes Vorbild Hughes 500E – ist der Tracer 240 mit Haupt- und Heckrotor ausgestattet. Ein wichtiges Merkmal fehlt aber trotzdem, nämlich die kollektive Blattverstellung. Wir haben es hier also mit einem „fixed-pitch“ oder „FP“-Heli zu tun.

Der 2,4-Gigahertz-Handsender wird mit Mode 2 (Gas links) ausgeliefert, kann aber mit etwas Geschick auch auf Mode 1 (Gas rechts) umgebaut werden

Für halbwegs geübte Koax-Heli-Piloten dürfte der Umstieg auf den Tracer 240 kein Problem darstellen

Bei Windstille – und nur dann (!) – sind mit dem Tracer 240 auch ausgedehnte Outdoor-Flüge möglich

Der eingesetzte Motor entspricht der 180er-Größe, die auch bei Indoor-Koaxhelis häufig zum Einsatz kommt

Optisch erinnert der Tracer 240 stark an den Kestrel 500 SX von NineEagles. Technisch sind beide Modelle identisch

Der obere Regler an der Elektronikbox (SENSITIVE) dient zur Einstellung der Gyro-Empfindlichkeit. Am unteren Regler (EXTEVT) kann die Heckrotortrimmung justiert werden

Der einzelne Hauptrotor muss sowohl die Steuerung als auch die Lagestabilisierung übernehmen. Hierzu ist der Kopf mit zwei Mischhebeln ausgestattet (Pfeil)

Der Akku wird von unten eingesetzt und samt Stecker von einem Klapprahmen gehalten. Eine saubere Lösung ohne Klettband und Gummiringe

Der drehzahlgesteuerte Heckrotor sitzt direkt auf der Welle eines zweiten Motors im Heck

Unter den Indoor-Koax-Helis ist Tracer 240 dank seiner Flugeigenschaften ein echter „Habicht im Hühnerhof“

Geliefert wird der Tracer 240 in einem stabilen Karton, der neben dem Modell auch Sender, Akku, Ladegerät, Ersatzrotorblätter und eine deutsch­sprachige Anleitung enthält. Lediglich vier Mignon-Batterien (AA) für den Sender muss der künftige Tracer-Pilot selber beschaffen. Während des obligatorischen Ladens des Akkus bleibt genügend Zeit, um sich der Anleitung zu widmen, die neben zahlreichen Sicherheitshinweisen auch die grundsätzlichen Steuer­funktionen erläutert und Tipps fürs Flugtraining vermittelt – allerdings am Beispiel eines Koax-Helis. Auf die Besonderheiten des Tracer 240 mit seinem Haupt- und Heckrotor wird leider nicht eingegangen. Im Folgenden soll dies zumindest teilweise nachgeholt werden.

Gigahertz-Funke
Der Tracer 240 wird mit einer modernen 2,4-Gigahertz-Fernsteuerung geliefert, die systembedingt eine hohe Störsicherheit aufweist und in unserem Fall bereits „gebunden“ ist. Das bedeutet, dass der Empfänger „seinen“ mitgelieferten Sender nach dem Einschalten sofort erkennt und der Pilot das entsprechende Kapitel in der Anleitung getrost übergehen kann.

Worauf die Anleitung dagegen nicht eingeht, ist die Tatsache, dass der standardmäßig in Mode 2 (Gas links) ausgelieferte Handsender bei Bedarf auch auf Mode 1 umgebaut werden kann. Wer den damit verbundenen Garantieverlust nicht scheut und über etwas handwerkliches Geschick verfügt, kann das Gehäuse öffnen und die Rückholfedern des neutralisierenden, rechten Knüppels am linken Knüppel einbauen. Der entscheidende Trick dabei ist jedoch das elektronische Vertauschen von Gas- und Nickfunktion: Dies erfolgt mit dem DIP-Schalter Nr. 5, der sich unter der kleinen Abdeckung neben dem Batteriefach befindet.

Ein weiteres, interessantes Feature, das in der Anleitung kaum Beachtung findet, ist der „Raten-Schalter“ (normalerweise als „Dual Rate“ bezeichnet). Dieser sitzt an der rechten Vorderseite des Senders und reduziert die Taumelscheibenausschläge um rund ein Drittel, wodurch der kleine Heli „zahmer“ auf die Steuereingaben des Piloten reagiert. Diese Wegereduzierung ist aktiv, wenn der Schalter nach oben zeigt.

Da der Tracer 240 bereits werksseitig voreingestellt ist, muss an der Bordelektronik (4-in-1) normalerweise nichts verändert werden. Falls aber doch, dann ist es gut zu wissen, dass die geänderten Einstellungen erst nach dem Aus- und wieder Einstecken des Akkus am Heli wirksam werden. Daher Einstellungen am besten immer bei abgezogenem Akkustecker vornehmen.

Einzelrotor vs. Doppelrotor
Während bei den kleinen Indoor-Koaxhelis jeweils der untere Rotor für die Steuerung und der obere Rotor für die Stabilisierung zuständig ist, muss der einzelne Hauptrotor des Tracer 240 beide Funktionen übernehmen. Hierzu ist der Rotorkopf mit zwei Mischhebeln ausgestattet. Diese mischen die zyklischen Steuereingaben des Piloten und die stabilisierenden Korrekturen der Stabistange miteinander und sorgen damit für ein ausgewogenes Flugverhalten.

Die Giersteuerung und der Drehmomentausgleich erfolgen beim Tracer durch einen zweiblätterigen Heckrotor, der direkt auf der Welle eines separaten Heckmotors sitzt. Wie der Hauptrotor ist auch der Heckrotor drehzahlgesteuert und kann daher systembedingt nicht so spontan reagieren, wie ein „normaler“ Heckrotor mit Blattverstellung. Dank moderner Gyro-Technik ist das Heck des Tracer 240 aber dennoch ausreichend stabil, wenn auch nicht gerade „bretthart“.

Let’s go!
Inzwischen sollte der Akku geladen sein und wird von unten in den Akkuschacht des Tracer 240 eingelegt, wo er von einer praktischen Klappe gehalten wird, die beim Schließen einrastet. Nach der obligatorischen Prüfung der Steuerfunktionen muss der Gashebel ungefähr bis zur Mitte vorgeschoben werden, damit der Tracer 240 vom Boden abhebt. Dies erfolgt ganz unspektakulär, und außerhalb des Bodeneffekts – also so ungefähr einen halben Meter über dem Boden – lässt sich der kleine Heli erstaunlich stabil hovern.

Dabei fällt dann auch spontan ein weiterer Unterschied zu den Koaxhelis auf: Während sie schön waagerecht hovern, hängt der Tracer 240 immer etwas „schräg“ in der Luft. Dieser Effekt ist jedoch bei einem Heli mit Haupt- und Heckrotor ganz normal, denn er wird vom seitlich wirkenden Heck­rotorschub verursacht. Damit der Heli vom Heckrotor nicht nach links weggeschoben wird, muss die Taumelscheibe beim Hovern etwas nach rechts geneigt sein, damit der Hauptrotor dagegen halten kann – und dies führt eben zu einer leichten Schräglage im Schwebeflug.

Um die volle Leistung des Tracer zu nutzen, mussten wir bei unserem Exemplar den Dual-Rate-Schalter deaktivieren (Schalterstellung „unten“) und sowohl die Gas- als auch die Nick-Trimmung ganz nach vorne schieben. Auf diese Weise waren dann recht flotte Rundflüge möglich, die bei Windstille auch im Freien erfolgten. Aber Vorsicht: Selbst leichten Wind verträgt der Tracer 240 überhaupt nicht. Hier setzt hauptsächlich der Heckrotor die Grenzen, denn der Heli dreht trotz massiven Gegensteuerns des Piloten sofort in jede noch so geringe Luftströmung hinein und wird regelrecht „davongetragen“. Keine Chance.

Spätestens nach einer Flugzeit von neun Minuten ist der Akku erschöpft. Dann geht die rot blinkende LED an der Rumpfspitze in Dauerlicht über und mahnt so zur Landung. Gleichzeitig erlischt der im Flug weiß blinkende „Landescheinwerfer“, was auch aus größerer Entfernung für den Piloten gut erkennbar ist.

Huhn oder Habicht?
Eher Habicht. Ein geübter Koax-Heli-Pilot hat den Tracer 240 sofort im Griff und will ihn eigentlich nicht mehr zurückgeben, denn er vermittelt durch sein spürbar dynamischeres Flugverhalten deutlich mehr Flugspaß als ein Koax-Heli, ohne den Piloten dabei zu überfordern.

Dabei ist der kleine Heli wesentlich flugstabiler, als die ersten Indoorhelis mit Haupt- und Heckrotor, die noch vor den Koax-Helis die Hallen eroberten. Für erfahrene Piloten reicht eine hindernisfreie Fläche von 3 x 3 Meter zum Fliegen mit dem Tracer 240 völlig aus. Neueinsteiger sollten im Idealfall erst einmal einige Runden mit einem Indoor-Koax-Heli drehen und dann auf den Tracer umsteigen. Dann sollte auch ihrem Flugspaß nichts mehr entgegen stehen.

Die serienmäßige Beleuchtung ermöglicht auch Flüge in der Dämmerung


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